Die Ehekämpen (9)
1862Und wieder wogt′s geschäftig durch die Hallen Des Schlosses, denn des Hauses Herr ist nah, Noch einmal fast so fröhlich hört man schallen Frau Bertha′s helles, frisches Lachen da.
Voll Eifer eilet sie durch Schloß und Gänge Noch ordnend dies und jenes schnell behend, Herr Corsant stehet bei der Diener Menge Und sieht, wie schön solch Weiberregiment.
Und sieht, wie lieblich auch Jolanthe waltet, Kaum hat zu einem Blick sie für ihn Zeit, Wie wird′s erst sein, wenn sie als Hausfrau schaltet Auf seinem Schloß so leer und öd′ bis heut′.
Da tönt der Klang der Hörner durch die Räume; »Herr Simon ist′s!« ruft alles hochentzückt; - Bald unterm Dach der alten, treuen Bäume Hält Weib und Kind er an die Brust gedrückt.
Und hinter ihnen, purpurübergossen, Jolanthe steht, Herrn Corsant an der Hand, Fest hält er die in seine eingeschlossen, Heut′ bleibt er Sieger ohne Widerstand.
»Willkommen, Ritter,« ruft mit lautem Lachen Herr Simon, »hier im Schlosse von Blonay, Ihr habt vollführt die aufgetragnen Sachen Schon bis zum Allerletzten wie ich seh′!«
Und Bertha drauf: »Noch tapfrer im Besiegen Sind wir, mein Herr: Du warfst ihn in den Staub, Doch wir erobern, und so hat verstiegen Er sich sogar zu frechem Klosterraub!«
Herr Simon küßt Jolanthe auf die Wangen: »Ei, Jungfräulein, was ficht dich plötzlich an, Wie trugst du nach dem Kloster heiß Verlangen, Jetzt nimmst du statt des Schleiers einen Mann?«
Der Ritter schaut frohlockend um im Kreise: »Ihr seht, ich bin besieget nicht allein, Doch, Heil der Schmach! Heil meiner weiten Reise, Die her mich führt′, solch′ lieblich Kind zu frei′n.
Herr Simon, gebt zur Gattin mir Jolanthe, Auf meinen Uebermuth seht nicht zurück! Sie und Frau Bertha schnell den Sinn mir wandte, Ich zweifle nicht mehr an der Ehe Glück!«
»Nun seht, wie trefflich ich an Euch gehandelt, Daß ich Euch Arm und Beine fast entzweit; So sei ein jeder Ketzer umgewandelt, Der zweifelt an der Ehe Herrlichkeit!
Nehmt meinen Segen und, Jolanthe, flöße Ihm immer solches Liebesfeuer ein, Daß er beweise flugs durch Hieb und Stöße, Wie schön es ist, ein gutes Weib zu frei′n,
Wenn wieder kommt ein Ritter, so ein kecker, Der von des Hauses Glück nichts weiß und kann, Zu Boden schlag′ er erst den kühnen Necker Und schick′ ihn in der Frauen Schule dann!«
Noch einmal Bertha in den Arm er schließet Und auch Herr Corsant kann nichts Bess′res thun, Ob auch der Thräne Perle hell ergießet Sich aus Jolanthens schönem Auge nun.
Er küßt sie fort, die Zeichen süßer Wonne, Daß bald es wieder lächelt hell und blau, Wie heiß und durstig trinkt der Strahl der Sonne Vom Kelch der Rose weg den Morgenthau.
Dann geht′s hinein zur frohen Tafelrunde, Doch nur ein einz′ger Trinkspruch wird gebracht, Herr Simon rief ihn aus mit stolzem Munde - Der Gattin galt′s, die ihn so stark gemacht!
O hoffen wir, daß auch in unsern Zeiten Noch so beglückend ist das Band der Eh′, Daß jedem, der es spöttisch will bestreiten, Wird solch ein Feind wie Simon von Blonay!
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Interpretation
Das Gedicht "Die Ehekämpen (9)" von Luise Büchner erzählt von der triumphalen Rückkehr des Herrn Simon in sein Schloss Blonay. Die Szene ist erfüllt von Freude und Vorfreude, da die Bewohner des Schlosses sich auf seine Ankunft vorbereiten. Jolanthe, die als Hausfrau fungiert, und Frau Bertha werden als effiziente und liebevolle Gestalterinnen des Haushalts dargestellt, was die positive Atmosphäre im Schloss unterstreicht. Die Ankunft von Herrn Simon wird mit großer Begeisterung begrüßt. Er wird von seiner Familie und Jolanthe, die er an der Hand hält, empfangen. Die Szene ist von Triumph und Zufriedenheit geprägt, da Herr Corsant, der zuvor möglicherweise Zweifel an der Ehe hegte, nun von den Frauen überzeugt wurde und Jolanthe zur Frau nehmen möchte. Dies symbolisiert den Sieg der Ehe und die Überwindung von Vorbehalten gegenüber der Institution der Ehe. Das Gedicht endet mit einem Hoch auf die Ehe und die Hoffnung, dass auch in der modernen Zeit die Ehe noch so beglückend ist wie in den dargestellten Zeiten. Herr Simon wird als Vorbild dargestellt, der durch seine starke Ehe andere von der Schönheit und dem Wert der Ehe überzeugen kann. Die abschließende Szene an der Tafelrunde, wo nur ein einziger Trinkspruch ausgebracht wird, der der Gattin gilt, die ihn so stark gemacht hat, unterstreicht die zentrale Bedeutung der Ehe im Leben der Figuren.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Noch tapferer im Besiegen
- Anapher
- Noch einmal fast so fröhlich hört man schallen / Frau Bertha′s helles, frisches Lachen da.
- Hyperbel
- Du warfst ihn in den Staub
- Ironie
- So sei ein jeder Ketzer umgewandelt, / Der zweifelt an der Ehe Herrlichkeit!
- Metapher
- Daß jedem, der es spöttisch will bestreiten, / Wird solch ein Feind wie Simon von Blonay!
- Personifikation
- Die her mich führt′, solch′ lieblich Kind zu frei′n.
- Symbolik
- Das Band der Eh′
- Vergleich
- Wie heiß und durstig trinkt der Strahl der Sonne / Vom Kelch der Rose weg den Morgenthau