Die Ehekämpen (7)

Luise Büchner

1866

Welch heitres Leben wogte auf dem Schlosse Am andern Tag, ergötzlich war′s zu schau′n; Von allen Seiten kamen hoch zu Rosse Herbei die Ritter und die Edelfrau′n. Der Herr von Greyerz stolz, mit reichem Trosse Von seiner Burg zu Oron kam er traun, Der Castellan von Chillon ist erschienen, Und Herr von Tavel selbst ist unter ihnen.

Frau Bertha, reich geschmücket zu dem Feste, Umringt von Pagen in der Halle stand, Mit holdem Gruß empfing sie ihre Gäste, Mit heitrem Wort und warmem Druck der Hand; Doch für Herr Corsant hob sie auf das Beste, Zur Tafel durft′ er führen sie galant, Als Bote ihres Gatten, der bestellet Bald seine Rückkehr, ward er vorgestellet.

Es ging der Becher fleißig durch die Runde, Und neckisch scholl Gelächter rings und Wort, Herr Corsant mußte geben manche Kunde Vom Hofe und dem lust′gen Leben dort. In raschem Flug entschwebte Stund′ um Stunde, Doch keiner rückte von der Tafel fort, Als rosig schon der Sonne letztes Strahlen Begann des Sees weites Rund zu malen.

Der Ritter war der Frohste wohl von allen, Von seiner Schuld schwieg er wohlweislich schlau; Auch sie ließ nicht ein einzig Wörtlein fallen - Sie hat gewiß verzieh′n, die holde Frau - Und seine Blicke oft hinüber wallen, Wo strahlt Jolanthens Auge treu und blau, Zu Bertha neigt er sich mit leiser Frage, Daß sie ihm, wer die schöne Jungfrau, sage.

Frau Bertha sah ihn an mit ernster Miene: »Jolanthe ist es, meine Muhme traut; Zum letzten Mal ist sie bei mir erschienen, Denn bald wird sie dem Himmel angetraut, Bald wird sie ihm allein nur fromm noch dienen Im Kloster d′Orbe als seine keusche Braut. Schwer werd′ ich dann die treue Freundin missen, Die ach! auf immer meinem Arm entrissen.«

»Wie, edle Dame,« rief er mit Erschrecken, »Wie könnt Ihr dulden solches Thun fürwahr? Der Schleier sollte neidisch bald verdecken Dies blaue Aug′, die edle Stirne klar? Es sollte sich die Scheere züngelnd strecken Nach diesem weichen, goldnen Lockenhaar? So holde Rose soll in Schmerz und Trauern Verwelken hinter dumpfen Klostermauern?«

Frau Bertha hob die weißen Schultern leise Und spottend zuckt es um den rothen Mund: »Ihr sprecht, Herr Ritter, sehr gelehrt und weise, Doch sagt, was führt Euch her zu dieser Stund′? Warum schickt′ Euch mein Gatte auf die Reise? - Kämpft unsre Jugend gen der Ehe Bund, Dann kann den Mägdlein Bess′res nicht geschehen, Als daß sie ruhig in ein Kloster gehen!«

Der Ritter beißt sich auf die stolze Lippe, Sie hatte Recht, Herrn Simon′s klug Gemahl, Fest sitzt er jetzt auf seiner eignen Klippe; Er muß bereu′n, es bleibt ihm keine Wahl, Sich selbst verklagen hier vor ihrer Sippe - Schnell springt er auf und Allen dort im Saal Hat er mit lauter Stimme dann verkündigt, Warum er kam und wie er sich versündigt.

Da gab es Spott und Lachen ohne Ende; Die Männer zwar geriethen fast in Streit, Die Frauen aber klatschten in die Hände Und priesen laut Herrn Simon′s Tapferkeit. Der Ritter aber, daß das Spotten ende, Hielt noch einmal zum Reden sich bereit, Er rief, den vollen Becher hoch erhoben: »Geschlagen zwar, muß ich mein Schicksal loben!

Wie hätt′ ich sonst der Ehre je genossen, Zu sitzen hier an diesem Ehrenplatz? Zu tafeln mit der Schweiz berühmten Sprossen - Ist′s meiner Schmach nicht reichlicher Ersatz? Nie rühmt′ ich mich so edler Tischgenossen Und es bewährt sich meines Hauses Satz, Der lautet: »Höher stets hinauf!« So steiget Mein Ansehn jetzt durch das, was mich gebenget.

Und nur nach diesem will ich jetzt noch streben, In kurzer Frist solch herrlich Weib zu frei′n, Wie mein Besieger, daß mir sei vergeben, Und ich so tapfer dann wie er kann sein!« Er neigt vor Bertha sich, doch im Erheben Blitzt auf Jolanth′ sein Aug′ in hellem Schein, Daß ihre Wange purpurroth erglühet, Wetteifernd mit der Pracht, die draußen blühet;

Die in ein Meer von Rosen hat getauchet Der Berge Häupter und den blauen See, Der Liebe Blick, der Liebe Kuß - er hauchet Hier gleiche Gluth auf Alp- und Wangenschnee. Wie fest sein Blick an diesem Glanz sich sauget - Mit Lächeln sieht′s die Dame von Blonay, Dann spricht sie: »Wenn Ihr wollt nach solchem streben, Herr Corsant de la Bresse, sei Euch vergeben!«

Er drückt auf ihre Hand des Dankes Zeichen, Noch einmal leeret man die Becher dann, Die Männer freundlich ihm die Hände reichen, Die Damen seh′n ihn triumphirend an. Doch bald die Sterne sich am Himmel zeigen, Der Weg ist weit, zum Abschied rüstet man; Herr Corsant nur allein noch zögernd steht, - Gar viel hat er zu fragen, eh′ er gehet!

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Illustration zu Die Ehekämpen (7)

Interpretation

Das Gedicht "Die Ehekämpen (7)" von Luise Büchner beschreibt eine festliche Szene auf einem Schloss, bei der verschiedene Ritter und Edelfrauen zusammenkommen. Die Atmosphäre ist heiter und fröhlich, wobei Herr Corsant, ein Bote des Gatten der Gastgeberin Frau Bertha, eine besondere Rolle spielt. Er wird von Frau Bertha mit Ehre empfangen und führt sie zur Tafel. Während des Festes unterhält er die Gäste mit Geschichten vom Hofe und dem Leben dort. Die Zeit vergeht schnell, und die Gesellschaft bleibt bis zum Sonnenuntergang beisammen. Im Verlauf des Abends entwickelt sich eine interessante Interaktion zwischen Herr Corsant und Frau Bertha. Corsant erkundigt sich nach einer schönen Jungfrau namens Jolanthe, die sich als enge Freundin von Frau Bertha herausstellt. Frau Bertha offenbart, dass Jolanthe bald in ein Kloster eintreten wird, was Corsant zutiefst erschüttert. Er äußert seine Missbilligung über diese Entscheidung und fragt, warum Frau Bertha dies zulässt. Frau Bertha antwortet spöttisch und deutet an, dass Corsants Anwesenheit auf dem Schloss mit den Ehekämpfen und der bevorstehenden Eheschließung junger Mädchen zusammenhängt. Sie impliziert, dass es für die Mädchen besser sei, in ein Kloster zu gehen, als unglücklich zu heiraten. Die Situation eskaliert, als Corsant, der seine eigene Schuld im Zusammenhang mit den Ehekämpfen kennt, beschließt, die Wahrheit zu offenbaren. Er gesteht vor allen Anwesenden seine Verfehlungen und die Gründe für seinen Besuch. Dies führt zu Gelächter und Spott unter den Gästen, wobei die Männer fast in Streit geraten und die Frauen die Tapferkeit von Herrn Simon, dem Ehemann von Frau Bertha, loben. Corsant versucht, die Situation zu retten, indem er betont, dass er durch diese Erfahrung Ehre und Ansehen gewonnen hat. Er strebt danach, in naher Zukunft eine ebenso tapfere Frau zu heiraten wie sein Besieger. Seine Blicke ruhen auf Jolanthe, deren Wangen vor Verlegenheit erröten. Die Dame von Blonay bemerkt dies und gibt Corsant ihre Zustimmung, woraufhin er ihr dankbar die Hand drückt. Die Gesellschaft verabschiedet sich, aber Corsant zögert noch, da er viele Fragen hat, bevor er geht.

Schlüsselwörter

herr ritter bertha bald frau corsant allen becher

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Von allen Seiten kamen hoch zu Rosse
Anapher
Wie, edle Dame, ... Wie könnt Ihr dulden solches Thun fürwahr?
Bildsprache
Wie fest sein Blick an diesem Glanz sich sauget
Hyperbel
Da gab es Spott und Lachen ohne Ende
Metapher
Fest sitzt er jetzt auf seiner eignen Klippe
Personifikation
Der Schleier sollte neidisch bald verdecken
Reimschema
Das Gedicht folgt einem durchgehenden Reimschema
Sprachliche Bilder
In kurzer Frist solch herrlich Weib zu frei'n
Symbolik
Die in ein Meer von Rosen hat getauchet
Wortwiederholung
Zu tafeln mit der Schweiz berühmten Sprossen