Die Droschke
1934Ein Wagen steht vor einer finstern Schänke. Das viele Mondlicht wird dem Pferd zu schwer. Die Droschke und die Gassenflucht sind leer; Oft stampft das Tier, daß seiner wer gedenke.
Es halten diese Mähre halb nur die Gelenke, Denn an der Deichsel hängt sie immer mehr. Sie baumelt mit dem Kopfe hin und her, Daß sie zum Warten sich zusammenrenke.
Aus ihrem Traume scheucht sie das Gezanke Und oft das geile Lachen aus der Schenke. Da macht sie einen Schritt, zur Fahrt bereit.
Dann meint sie schlafhaft, daß sie heimwärtslenke Und hängt sich an sich selbst aus Schläfrigkeit, Noch einmal poltern da die Droschkenbänke.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Droschke" von Theodor Däubler schildert eine nächtliche Szene, in der eine Droschke vor einer dunklen Schänke steht. Die Atmosphäre ist düster und ruhig, nur das Mondlicht erhellt die Umgebung. Das Pferd, das die Droschke zieht, wirkt müde und schwer, als ob das viele Mondlicht es belasten würde. Die Gassen sind leer, und das Pferd stampft oft, als ob es nach Aufmerksamkeit verlangt. Die Droschke und das Pferd sind eng miteinander verbunden, doch das Tier scheint nur noch durch seine Gelenke gehalten zu werden. Die Deichsel, an der es hängt, lastet schwer auf ihm, und sein Kopf baumelt hin und her. Es scheint, als ob das Pferd sich zusammenrenkt, um das Warten zu überstehen. Die Stille wird gelegentlich durch Lärm aus der Schänke gestört, sei es durch Gezanke oder geiles Lachen. Das Pferd wird aus seinem Traum gerissen und macht einen Schritt, bereit zur Fahrt. Im letzten Vers des Gedichts scheint das Pferd schlafhaft zu sein, als ob es sich vorstellt, heimwärts zu lenken. Es hängt sich selbst aus Schläfrigkeit, und die Droschkenbänke poltern ein letztes Mal. Das Gedicht endet mit einer gewissen Melancholie und einem Hauch von Resignation, da das Pferd in seiner Müdigkeit gefangen zu sein scheint und die Droschke in der Nacht zurückgelassen wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Dann meint sie schlafhaft, daß sie heimwärtslenke
- Metapher
- Da macht sie einen Schritt, zur Fahrt bereit
- Personifikation
- Aus ihrem Traume scheucht sie das Gezanke