Die dreyfache glücks- und ehren-krone...
1697Als Franckreich seinen sohn den Pohlen wieder nahm/ Und Heinrich durch die flucht zum zweyten throne kam/ Da warff er die vernunfft erst auff der welt getümmel/ Nahm Solons lehren an/ die er dem Crösus gab/ Und riß auff reinen grund drey göldne kronen ab/ Mit dieser überschrifft: die dritte bleibt im himmel.
Betrübte! darff ich mich zu rühmen unterstehn/ Wie eure freundin schon den himmel hier gesehn/ Und unter dornen auch mit rosen sich verbunden; So lernet/ daß ihr geist von gleicher würde war/ Und darum eher nicht/ als auff der todten-bahr/ So wie der könig hat die dritte krone funden.
Was jenem Pohlen war/ das war ihr jungfer-stand/ In dem sie witz und krantz als festen leim verband/ Und selbst Penelopen die palmen abgestritten/ Ihr kleid war Christi blut/ ihr spiegel aber Gott: Drum hat sie/ wie der mond/ auch in der grösten noth/ Zwar öffters finsterniß/ doch keinen bruch erlitten.
Doch diese krone brach die flamme der natur/ Als Lithens hoher geist durch ihre seele fuhr; Drum legte sie getrost den alten scepter nieder: Denn unser könig schrieb auch ihrer stirnen an: Ob man gleich kronen offt im kärcker finden kan/ So sucht ein freyes kind doch seine mutter wieder.
Wie wenn ein glimmend feur auff einmahl lufft erhält/ Und der gepreßte dampff aus seinem circkel prellt/ Alsdenn die presse selbst zu frischem zunder dienet: So zog ihr keusches hertz die reine flammen an/ Und folgte dazumahl dem baume von Japan/ Der von dem regen stirbt/ und in der sonne grünet.
Ihr pol-stern war allein ihr allerliebster Lith/ Lith/ der sich mehr um sie/ als alle welt/ bemüht; Auff diesen warff sie nun ihr feuriges verlangen/ Und prägte bey sich selbst diß ihrer seelen ein: Gönnt nur/ mein theurer Lith/ mir seinen sonnenschein/ So werd’ ich monde stets in vollem lichte prangen.
Was Artemisia/ was Portia gethan/ Was sich der Grotius vom weibe rühmen kan/ Und Mommorantia vor ihren printz erlitten; Das alles schreibet man durch bücher in die welt; Doch wo nicht Momus selbst ein blindes urtheil fällt/ So hat die selige noch um den preiß gestritten.
Denn statt der aschen tranck sie Christi freuden-wein/ Vor kohlen schluckte sie nur himmels-flammen ein/ Und bat vor ihr gemahl mit heissen thränen-güssen. Wenn denn der Labyrinth der sorgen ihn ümschloß/ Riß sie durch diesen trost ihm alle fässel loß/ Auch myrrhen lassen erst im sturme gummi fliessen.
Wie sie sein hertze nun mit zucker überstreut/ So traff sie auch das gifft der herben sterblichkeit; Das licht gebrach ihr offt bey langen sommer-tagen/ Dacht aber nur ihr geist an seine seelen-lust/ So kunte wind und sturm auff ihre felsen-brust So wenig als der blitz auff grüne lorbeern schlagen.
Sie wuste/ daß um klee und grünen roßmarin/ Auch gifftiger napel und coloqvinten blühn/ Daß selbst der balsam muß aus schnitt und wunden qvellen/ Und darum lachte sie/ wenn wolck und donner brach/ Und ahnte der natur der klugen bienen nach/ Die auch den schierlings-safft in honigseim verstellen.
Das glücke dieser welt und seiner ehren bahn/ Diß alles sah sie nur als runde kugeln an/ Da auff- und niedergang in einem circkel schweben/ Und lehrte: daß die lust und dieser erden schein Nichts/ als Sirenen-klang und falsche Circen/ seyn/ Da selbst Ulysses nicht kan ohne sorgen leben.
Und endlich gab ihr leib der erden gute nacht/ Und will auch in der grufft ohn alle seiden-pracht/ Wie Maximilian/ in blosser leinwand liegen. Ob man nun gleich ihr grab mit golde nicht bestreut/ So blitzt ihr kronen-gold doch in der ewigkeit/ Und zeigt/ daß niemand kan vor seinem tode siegen.
Daß er/ Hoch-Edler/ nun in thränen-saltze schwimmt/ Daß in dem kinde noch die mutter-liebe glimmt/ Und ihre freunde fast vor traurigkeit zerfliessen/ Ist freylich nicht zu viel; denn wo der ancker fällt/ Wo donner/ blitz und sturm den starcken mast zerschellt/ Da kan das müde schiff leicht in den abgrund schieffen.
Hier steht sein werthes haus/ und klaget seine frau/ Trägt gall und wermuth auff vor süssen nectar-thau/ Und weiß ihn anders nicht/ als weinend/ zu bedienen; Dort liegt sein armer sohn/ und zeigt mit thränen an/ Daß er noch ohne sie so wenig leben kan/ Als ein citronen-baum mag ohne sonne grünen.
Und darum glaub ich leicht/ wie seine seele schwitzt/ Indem das wetter ihm durch alle glieder blitzt/ Und er sein liebes-schiff so plötzlich sieht verderben; Noch leichter glaub ich auch/ er würde voller pein/ Dafern sein letzter wunsch nur könte möglich seyn/ Wie Laodamia in ihrem schatten sterben.
Was aber bringen uns die thränen endlich ein? Ein Christ muß in der glut wie Salamander seyn/ Und wie ein palmen-baum auch in der kälte grünen. Nach sonne folget blitz/ nach regen sonnenschein; So strahlt des himmels gunst auch wieder nach der pein/ Und läst die thränen offt uns zum ergetzen dienen.
Es lebt die selige nun aller angst befreyt/ Sie strandet an den port der vollen sicherheit/ Dem auch Marsilien und Syracusa weichen; Und Jesus führt sie selbst mit diesen worten ein: Wer in Jerusalem will kind und bürger seyn/ Muß in Egyptenland erst thon und ziegel streichen.
Gesetzt/ daß Südland nun gesunder lüffte sey; Es schätze Persien sein Tebris fieber-frey/ Es baue Waldemar ihm tausend sichre thäler: So schaut sie alles doch wie Sodoms-äpffel an/ Auff die der blasse todt diß urtheil schreiben kan: Von aussen Carmasin/ von innen dunst und fehler.
Denn ihre burg ist nun der thron der ewigkeit/ Den stets der engel hand mit rosen überstreut/ Und Jesus selber hat mit purpur überzogen: Da wird ihr frommer geist durch keine sorgen matt/ Und grünet nach der glut so wie ein liljen-blat/ Das wieder frische krafft vom regen angesogen.
Drum zieht/ betrübteste/ die schwere thränen ein/ Und dencket/ daß wir nichts als seiden-würmer seyn/ Die nach erzeugter frucht in voller arbeit sterben: Wohl dem/ der auff den todt schon vor dem tode denckt/ Und endlich/ wenn die zeit zwey kronen ihm verschenckt/ Wie unsre Lithin kan die dritt’ im himmel erben.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Die dreyfache glücks- und ehren-krone..." von Benjamin Neukirch ist eine tiefgründige Reflexion über die Vergänglichkeit des Lebens und die ewige Natur des Glaubens. Es beginnt mit einer Anspielung auf Heinrich von Navarra, der durch die Flucht zum französischen Thron gelangte und dabei die Lehren Solons annahm, die er dem König Krösus gab. Das Gedicht vergleicht dann das Leben einer frommen Frau mit dem von Heinrich, indem es betont, dass sie ebenfalls eine dritte Krone im Himmel gefunden hat, die ewige Erlösung symbolisiert. Die Frau im Gedicht wird als tugendhaft und standhaft dargestellt, die trotz der Herausforderungen des Lebens, wie Krankheit und Tod, ihren Glauben bewahrt. Ihre Tugenden werden mit denen berühmter Frauen der Geschichte verglichen, wie Artemisia, Portia und Mommorantia, die ebenfalls für ihre Treue und ihren Mut bekannt waren. Das Gedicht betont, dass ihre Leiden und Tränen letztendlich zu ihrer Erlösung und ihrem ewigen Glück führen. Das Gedicht schließt mit einer tröstenden Botschaft an die Hinterbliebenen der Frau. Es ermutigt sie, ihre Tränen als Teil des Lebens zu akzeptieren und sich daran zu erinnern, dass der Tod nur ein Übergang zu einem ewigen Leben im Himmel ist. Die Frau, Lithin genannt, wird als Vorbild dargestellt, das durch ihren Glauben und ihre Tugend die dritte Krone im Himmel verdient hat. Das Gedicht vermittelt die Botschaft, dass der Glaube an Gott und die Hoffnung auf das ewige Leben Trost und Stärke in Zeiten der Trauer bieten können.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Und selbst der balsam muß aus schnitt und wunden qvellen
- Anspielung
- Was Artemisia/ was Portia gethan/
- Bildsprache
- Wie wenn ein glimmend feur auff einmahl lufft erhält/
- Hyperbel
- Und Jesus selber hat mit purpur überzogen:
- Kontrast
- Von aussen Carmasin/ von innen dunst und fehler.
- Metapher
- Sie strandet an den port der vollen sicherheit/
- Personifikation
- Die nach erzeugter frucht in voller arbeit sterben:
- Symbolik
- So blitzt ihr kronen-gold doch in der ewigkeit/
- Vergleich
- Als ein citronen-baum mag ohne sonne grünen.