Die Drei
1802Drei Reiter nach verlorner Schlacht, Wie reiten sie so sacht, so sacht!
Aus tiefen Wunden quillt das Blut, Es spürt das Ross die warme Flut.
Vom Sattel tropft das Blut, vom Zaum, Und spült hinunter Staub und Schaum.
Die Rosse schreiten sanft und weich, Sonst flöß das Blut zu rasch, zu reich.
Die Reiter reiten dicht gesellt, Und einer sich am andern hält.
Sie sehn sich traurig ins Gesicht, Und einer um den andern spricht:
“Mir blüht daheim die schönste Maid, Drum tut mein früher Tod mir leid.”
“Hab Haus und Hof und grünen Wald, Und sterben muss ich hier so bald!”
“Den Blick hab ich in Gottes Welt, Sonst nichts, noch schwer mir′s Sterben fällt.”
Und lauernd auf den Todesritt Zieh′n durch die Luft drei Geier mit.
Sie teilen kreischend unter sich: “Den speisest du, den du, den ich.”
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Interpretation
Das Gedicht "Die Drei" von Nikolaus Lenau beschreibt drei Reiter, die nach einer verlorenen Schlacht langsam und vorsichtig reiten. Die langsame Gangart ihrer Pferde ist notwendig, da das Blut aus ihren tiefen Wunden tropft und zu schnelle Bewegung den Blutverlust erhöhen würde. Die Reiter halten eng zusammen und stützen sich gegenseitig, was ihre Verletzlichkeit und Verbundenheit verdeutlicht. Die drei Reiter sprechen über ihre persönlichen Verluste und Bedauern. Einer bedauert, dass er jung sterben muss und eine schöne Braut zurücklässt, ein anderer klagt über den Verlust von Haus und Hof, während der dritte, der nichts besitzt, den Tod als weniger schwer empfindet. Diese unterschiedlichen Perspektiven auf den Tod und das Leben verdeutlichen die menschliche Tragik und die Unausweichlichkeit des Schicksals. Im Hintergrund lauern drei Geier, die das bevorstehende Ende der Reiter symbolisieren und sich bereits das "Futter" untereinander aufteilen. Die Geier stehen für den Tod und die Vergänglichkeit, während die langsame, traurige Fahrt der Reiter die Endlichkeit des Lebens und die Unausweichlichkeit des Todes betont. Das Gedicht vermittelt eine düstere und melancholische Stimmung, die den Leser zum Nachdenken über die Fragilität des Lebens und die Bedeutungslosigkeit irdischer Besitztümer im Angesicht des Todes anregt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Wie reiten sie so sacht, so sacht!
- Bildlichkeit
- Aus tiefen Wunden quillt das Blut
- Metapher
- Und lauernd auf den Todesritt
- Parallelismus
- Mir blüht daheim die schönste Maid, / Hab Haus und Hof und grünen Wald, / Den Blick hab ich in Gottes Welt
- Personifikation
- Und lauernd auf den Todesritt
- Rhythmus
- Drei Reiter nach verlorner Schlacht
- Symbolik
- Drei Reiter nach verlorner Schlacht
- Vergleich
- Die Rosse schreiten sanft und weich
- Wiederholung
- so sacht, so sacht!