Die Dinge singen hör ich so gern
1899Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort. Sie sprechen alles so deutlich aus: Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus, und hier ist Beginn und das Ende ist dort.
Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott. Sie wissen alles, was wird und war, kein Berg ist ihnen mehr wunderbar; ihr Garten und Gut grenzt gerade an Gott.
Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern. Die Dinge singen hör ich so gern. Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm. Ihr bringt mir alle die Dinge um.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Dinge singen hör ich so gern" von Rainer Maria Rilke handelt von der Angst des lyrischen Ichs vor der menschlichen Sprache und ihrer Fähigkeit, die Welt zu definieren und zu begrenzen. Das Ich fürchtet sich vor der Klarheit und Eindeutigkeit der Worte, die alles benennen und einordnen, wie zum Beispiel "Hund" und "Haus". Es fühlt sich von der menschlichen Gewissheit und dem Spott bedroht, die keine Geheimnisse und Wunder mehr zulassen. Das lyrische Ich sehnt sich danach, die Dinge in ihrer ursprünglichen, unbenannten Form zu erleben und ihre "Stimme" zu hören. Es warnt die Menschen davor, die Dinge anzufassen und zu definieren, da sie dadurch ihre Lebendigkeit und Bedeutung verlieren. Die Dinge werden "starr und stumm", wenn sie durch menschliche Worte und Kategorien erfasst werden. Das Gedicht drückt eine tiefe Sehnsucht nach einer unmittelbaren, unmittelbaren Beziehung zur Welt aus, die nicht durch Sprache und menschliche Konventionen vermittelt wird. Es ist eine Kritik an der menschlichen Tendenz, alles zu erklären und zu kontrollieren, und ein Plädoyer für eine offene, empfängliche Haltung gegenüber den Geheimnissen des Lebens.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott.
- Kontrast
- Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
- Metapher
- Ihr Garten und Gut grenzt gerade an Gott.
- Personifikation
- Die Dinge singen hör ich so gern.
- Wiederholung
- Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.