Die Dichterin und die Musen
1701Ich meynte bey dem Trieb, den ich gar oft verspührt, Und der durch Sehnsucht mir den regen Geist gerührt, Mich noch auf den Olymp beglückt hinauf zu schwingen Weil auch die Musen dort, als Frauenzimmer singen. Jedoch mein Hoffen fehlt; ich kann im voraus sehn, Daß, leider! selbiges unmöglich kann geschehn, Der Pierinnen Schaar drängt mich von ihren Stufen, So eifrig und bemüht ich ihr doch zu gerufen, Aus Eifersucht und Furcht, es möchte nach und nach Apollo, der sie liebt, zu nicht geringer Schmach, Und ihrem größten Schmerz, dem fremden Gast daneben Ein freundliches Gesicht, und holdes Blickchen geben.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Dichterin und die Musen" von Christiana Mariana von Ziegler thematisiert die Sehnsucht einer Dichterin, sich unter die Musen zu gesellen und von ihnen inspiriert zu werden. Die Ich-Erzählerin verspürt einen starken Trieb und eine Sehnsucht, die ihren Geist bewegt und sie dazu veranlasst, sich vorzustellen, dass sie sich auf den Olymp erheben und dort von den Musen, die als Frauenzimmer singen, beglückt werden könnte. Doch ihre Hoffnung wird enttäuscht, als sie voraussehen kann, dass es unmöglich ist, dass sie von den Musen aufgenommen wird. Die Pierinnen, also die Musen, drängen sie von ihren Stufen, obwohl sie sich eifrig bemüht, ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Die Musen sind eifersüchtig und fürchten, dass Apollo, den sie lieben, durch die Anwesenheit der Dichterin zu Schmach und Schmerz geraten könnte. Sie befürchten, dass er der fremden Gastin ein freundliches Gesicht und einen holden Blick schenken könnte, was sie als Bedrohung empfinden. Das Gedicht verdeutlicht die Schwierigkeiten, denen sich eine Dichterin gegenübersieht, wenn sie sich in einer von Männern dominierten Welt behaupten möchte. Es zeigt die Eifersucht und den Wettbewerb, der zwischen den Musen und der Dichterin herrscht, und wie die Angst vor dem Verlust der Gunst Apollos die Musen dazu veranlasst, die Dichterin abzuweisen. Das Gedicht wirft auch die Frage auf, ob eine Frau in der Welt der Dichtkunst überhaupt willkommen ist und ob sie jemals die gleiche Anerkennung wie ihre männlichen Kollegen erlangen kann.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- bey dem Trieb
- Euphemismus
- der fremden Gast
- Hyperbel
- zu nicht geringer Schmach
- Kontrast
- Ich meynte... Jedoch mein Hoffen fehlt
- Metapher
- Mich noch auf den Olymp beglückt hinauf zu schwingen
- Personifikation
- der regen Geist gerührt
- Rhetorische Frage
- es möchte nach und Tag Apollo, der sie liebt, zu nicht geringer Schmach