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Die Dauben

Von

Sieh Mädchen sieh die Dauben,
Dort auf dem Ast in Blättern,
Sieh wie die Daube seufzend
Sich an den Däuber schmieget,
Sieh wie der Däuber sanfte
Sie mit den Flügeln schläget.
Sieh Mädgen, ach! sie schnäbeln!
Und jezt, ach! sieh – – die Daube!
Du sprödes böses Mädgen.

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Gedicht: Die Dauben von Salomon Gessner

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Die Dauben“ von Salomon Gessner ist eine kurze, idyllische Szene, die die Natur, insbesondere die Welt der Vögel, als Spiegelbild menschlicher Gefühle und Beziehungen nutzt. Es handelt sich um ein kurzes, dramatisches Gedicht, das die Beobachtung eines Turteltaubenpaares in den Mittelpunkt stellt, um eine Botschaft an ein „sprödes böses Mädgen“ zu richten.

Das Gedicht beginnt mit einer Aufforderung an das Mädchen, die Turteltauben zu betrachten. Die Worte „Sieh Mädchen sieh“ etablieren direkt eine Verbindung zwischen der Beobachterin und dem Naturgeschehen. Die Beschreibung der Turteltauben – wie sie „seufzend“ sich an den Partner schmiegt, wie der Däuber sanft mit den Flügeln schlägt und sich dann küsst („schnäbeln“) – zeichnet ein Bild von Zärtlichkeit und Hingabe. Diese Szene dient als Gegenüberstellung zu dem, was Gessner über das Verhalten des Mädchens auszudrücken versucht.

Die Dramatik des Gedichts wird durch die wiederholte Aufforderung „Sieh Mädchen, ach!“ und durch die Betonung der körperlichen Nähe der Vögel gesteigert. Die Darstellung der Vögel als liebend und vertraut bildet einen deutlichen Kontrast zu dem, was implizit über das Verhalten des Mädchens gesagt wird. Der kurze Satz „Und jezt, ach! sieh – – die Daube!“ markiert einen Wendepunkt, der das Mädchen in Bezug auf die Beobachtung der Vögel dazu einlädt, die Reaktion der Vögel noch einmal zu sehen.

Die letzten Zeilen, in denen das Mädchen als „sprödes böses Mädgen“ bezeichnet wird, stellen die moralische Botschaft des Gedichts dar. „Spröde“ deutet auf eine gewisse Distanziertheit, Abweisung oder Ablehnung, während „böse“ auf eine mögliche Verletzung der Gefühle oder des Vertrauens hindeutet. Gessner verwendet die Natur, um das Mädchen zu belehren, indem er ihm zeigt, wie die Liebe und Zärtlichkeit in der Tierwelt dargestellt wird, und es so mit seinem eigenen Verhalten konfrontiert. Das Gedicht ist somit ein Kommentar über die menschliche Liebe und die möglicherweise falsche Einstellung gegenüber dieser.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.