Die Dämonen fassen Robinson
1932Warum hab ich dies Eiland so erfahren, Daß nichts mir fremd blieb? Ach, ein Baumgesicht, Verhängt von feuchten, windzerfetzten Haaren, Ich traf es einmal - fault es nun mir nicht Zwischen den Schultern? Eine Kröte war, Fett und gefleckt, die Schlange schlürfte sie. Auch lag ein Glied, schamlos und offenbar, An einem Sumpf. Ein Stein vielleicht, doch wie Aus mir gerissen. Und ein Fluß, gespalten Wie durch mein Herz so schmerzlich. Ach, es steht Sie, die ich sah, Verwesung in mir auf: verhalten Glomm Gelb in Violettem. Es verweht Der Süd mein Hirn: Nun bin ich mir entglitten Und weiß mein Ende nicht mehr. Was geschieht, Geschieht in mir. Ist ich. Ich bin inmitten.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Dämonen fassen Robinson" von Maria Luise Weissmann erzählt von einer tiefen inneren Zerrissenheit und Entfremdung. Der Sprecher reflektiert über seine Erfahrungen auf einer einsamen Insel, die ihn in einen Zustand der Verwirrung und des Verfalls versetzt haben. Die Natur wird zu einem Spiegel seiner inneren Zerrüttung, wobei Bäume, Tiere und Landschaften zu Symbolen seiner seelischen Verfassung werden. Die wiederkehrende Frage nach dem Warum deutet auf eine Suche nach dem Sinn und der Ursache seines Leidens hin. Die Bilder im Gedicht sind von Verfall und Verwesung geprägt, was die innere Zerrüttung des Sprechers widerspiegelt. Die Kröte, die Schlange, das abgetrennte Glied und der Stein symbolisieren verschiedene Aspekte seiner gequälten Seele. Der Fluss, der durch sein Herz fließt, steht für die emotionale Zerrissenheit und den Schmerz, den er empfindet. Die Farben Gelb und Violett, die im Gedicht erwähnt werden, könnten für Krankheit und Verwesung stehen, was die allgemeine Stimmung des Verfalls verstärkt. Im letzten Teil des Gedichts erreicht der Sprecher einen Zustand der Auflösung und des Nicht-mehr-Wissens. Der Südwind, der sein Gehirn verweht, symbolisiert den Verlust des Verstandes und der Kontrolle. Er ist nicht mehr in der Lage, sein Ende zu erkennen oder zu kontrollieren, was auf einen vollständigen Kontrollverlust hindeutet. Die letzte Zeile "Was geschieht, Geschieht in mir. Ist ich. Ich bin inmitten." deutet auf eine Verschmelzung von äußerem Geschehen und innerem Erleben hin, bei der der Sprecher zum Zentrum eines chaotischen und unergründlichen Geschehens wird.
Schlüsselwörter
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Stilmittel
- Metapher
- Was geschieht, Geschieht in mir. Ist ich. Ich bin inmitten
- Personifikation
- Daß nichts mir fremd blieb