Die Dämmerung
1913Ein dicker Junge spielt mit einem Teich. Der Wind hat sich in einem Baum gefangen. Der Himmel sieht verbummelt aus und bleich, Als wer ihm die Schminke ausgegangen.
Auf lange Krücken schief herabgedrückt Und schwatzend kriechen auf dem Feld zwei Lahme. Ein blonder Dichter wird vielleicht verrückt. Ein Pferdchen stolpert über eine Dame.
An einem Fenster klebt ein fetter Mann. Ein Jüngling will ein weiches Weib besuchen. Ein grauer Clown zieht sich die Stiefel an. Ein Kinderwagen schreit und Hunde fluchen.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Dämmerung" von Alfred Lichtenstein zeichnet ein düsteres und groteskes Bild der Abenddämmerung. Es beginnt mit einem dicken Jungen, der mit einem Teich spielt, was auf eine kindliche Unschuld hindeutet, die jedoch von der umgebenden Tristesse überschattet wird. Der Wind, der sich in einem Baum gefangen hat, und der bleiche, verbummelte Himmel, als ob ihm die Schminke ausgegangen wäre, vermitteln eine Atmosphäre der Erstarrung und des Verfalls. Im zweiten Teil des Gedichts werden weitere skurrile und beunruhigende Bilder präsentiert. Zwei Lahme kriechen auf dem Feld, ein blonder Dichter droht verrückt zu werden, und ein Pferdchen stolpert über eine Dame. Diese Szenen vermitteln ein Gefühl von Unbeholfenheit, Verwirrung und Unordnung. Die Dämmerung scheint die Grenzen zwischen Realität und Absurdität zu verwischen. Im letzten Teil des Gedichts werden weitere skurrile Figuren vorgestellt: ein fetter Mann, der an einem Fenster klebt, ein Jüngling, der ein weiches Weib besuchen will, ein grauer Clown, der sich die Stiefel anzieht, ein schreiender Kinderwagen und fluchende Hunde. Diese Bilder verstärken den Eindruck einer Welt, in der die Normalität gestört ist und in der die Dämmerung eine Zeit des Übergangs und der Verwandlung darstellt, in der die Grenzen zwischen Mensch und Tier, Realität und Traum verschwimmen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Auf lange Krücken schief herabgedrückt Und schwatzend kriechen auf dem Feld zwei Lahme.
- Hyperbel
- Ein Pferdchen stolpert über eine Dame.
- Ironie
- Ein blonder Dichter wird vielleicht verrückt.
- Kontrast
- Ein grauer Clown zieht sich die Stiefel an.
- Metapher
- Der Wind hat sich in einem Baum gefangen.
- Personifikation
- Ein Kinderwagen schreit und Hunde fluchen.
- Symbolik
- Ein fetter Mann klebt an einem Fenster.
- Vergleich
- Der Himmel sieht verbummelt aus und bleich, Als wer ihm die Schminke ausgegangen.