Die Camille unter den Blumen
1849Bleiche Camille, Du blühst verachtet im einsamen Felde, Denn Dein simples Gewand reizet die Lüsternen nicht. Farblos stehst Du verlassen im säuselnden Hauche des Windes - Nimmer wählt′ Dich zum Kranz jugendlich fröhliche Lust.
Lass denn den schwärmenden Tross die bunteren Blumen erjagen, Kränke, Bescheidne! Dich nicht, dass Dich die Freude verschmäht. Blühe einsam nur fort am grünen Rande des Weges, Bricht auch die Liebe Dich nicht - findet das Leiden Dich doch.
Heilsam wirkende Kräfte hat die Natur Dir in Busen Mütterlich sorgsam gelegt, und sie verläugnen sich nicht. Lindernd stillest Du Schmerzen, wenn andre das Auge ergötzen, Und im einfachen Schmuck birgt sich Dein hohes Verdienst.
Welkend wirft man sie weg, der Flora schimmernde Kinder, Ihr Beruf ist erfüllt, haben sie lächelnd geblüht - Und es kehret ihr Staub vergessen zum Schoosse der Erde Spurlos wieder zurück, gleich einem Schatten der Nacht.
Schweifet mein Blick umher auf den bunten Kreisen des Lebens, Dünkst Du ein Sinnbild zu seyn mir im Getöse der Welt. Ach, geschieden ist oft der Werth vom täuschenden Glanze, Und der Schimmer hält nicht, was er so schmeichelnd verspricht.
Möge der eitele Sinn am Farbenspiel sich vergnügen, Während er Dich übersieht - stolz vorüber Dir geht. Mit dem Gefühle der Kraft und der stillen Tugend im Innern, Schmerzet es wenig, verkannt und verachtet zu seyn.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Camille unter den Blumen" von Charlotte von Ahlefeld handelt von einer bescheidenen Blume, die im Gegensatz zu den auffälligeren und bunteren Blumen steht. Die Camille wird als unscheinbar und von den meisten übersehen beschrieben, obwohl sie wertvolle heilende Kräfte in sich trägt. Sie wird von der Jugend und der Freude nicht beachtet, blüht aber still und einsam am Wegesrand weiter. Die Autorin zieht eine Parallele zwischen der Camille und den Menschen in der Gesellschaft. Oft wird der wahre Wert eines Menschen von dem täuschenden Glanz und dem äußeren Schein überschattet. Die Camille symbolisiert diejenigen, die zwar übersehen und verachtet werden, aber dennoch stolz auf ihre inneren Werte und Tugenden sind. Sie lindert Schmerzen und erfüllt einen wichtigen Zweck, auch wenn sie nicht im Rampenlicht steht. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis, dass es wenig schmerzt, verkannt und verachtet zu sein, solange man sich seiner inneren Stärke und Tugend bewusst ist. Die Camille steht für diejenigen, die ihren Wert nicht in der Anerkennung anderer suchen, sondern in sich selbst finden. Ahlefeld betont die Bedeutung der Bescheidenheit und der inneren Werte in einer Welt, die oft vom äußeren Schein und der Eitelkeit dominiert wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Dich nicht, dass Dich die Freude verschmäht
- Hyperbel
- Nimmer wählt′ Dich zum Kranz jugendlich fröhliche Lust
- Ironie
- Mit dem Gefühle der Kraft und der stillen Tugend im Innern, Schmerzet es wenig, verkannt und verachtet zu seyn
- Kontrast
- Lindernd stillest Du Schmerzen, wenn andre das Auge ergötzen
- Metapher
- Bleiche Camille, Du blühst verachtet im einsamen Felde
- Personifikation
- Mütterlich sorgsam gelegt
- Symbolik
- Die Camille als Symbol für Bescheidenheit und Tugend
- Vergleich
- Spurlos wieder zurück, gleich einem Schatten der Nacht