Die Büsumer
1799Die Büsumer wohnen am Meeresstrand Und sind für kluge Leute bekannt, Nur treiben sie die Bescheidenheit In manchem Stücke gar zu weit. Des einen Sonntags ihrer neun Schwimmen sie weit in die See hinein. Auf einmal, wie das Meer so schwankst, Wird einem um die andern Angst, Und zählt sie alle: Eins, zwei, drei, Bis acht - und läßt sich aus dabei, Denn er ist echtes Büsumer Kind, Die immer so bescheiden sind. Ein zweiter probierts, zählt: Eins, zwei, drei, Bis acht - und vergißt sich auch dabei. Da schwimmen sie alle bestürzt ans Land, Wo eben ein kluger Fremder stand. Dem klagten sie jammernd ihre Not Und sagten: Von uns ist einer tot! Und wußten nicht, welcher ertrunken sei! Und jammern und zählen immer aufs neu, Und finden immer nur wieder acht, Weil jeder bescheiden an sich nicht gedacht. Der Fremde sprach: Bescheidenheit Führt euch, ihr guten Leute, zu weit, Steck jeder die Nas in den Sand einmal, Und zählt die Tupfen, so habt ihr die Zahl. Sie folgten dem Fremden, da zählten sie - neun! Und luden vor Freud ihn zum Frühstück ein.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Büsumer" von August Kopisch erzählt eine humorvolle Geschichte über eine Gruppe von Menschen, die für ihre Bescheidenheit bekannt sind. Die Büsumer, Bewohner eines Küstenorts, gehen an einem Sonntag zum Schwimmen und geraten in Panik, als sie sich selbst zählen und nur noch acht statt neun Personen finden. Jeder der Büsumer, getrieben von seiner übermäßigen Bescheidenheit, vergisst sich selbst bei der Zählung und glaubt, einer seiner Mitmenschen sei ertrunken. Die Büsumer, verzweifelt über den vermeintlichen Verlust eines ihrer Mitglieder, suchen die Hilfe eines klugen Fremden. Sie klagen ihm ihr Leid und erklären, dass sie nicht wissen, wer von ihnen ertrunken sei. Der Fremde erkennt schnell das Problem: Die übermäßige Bescheidenheit der Büsumer führt dazu, dass sie sich selbst bei der Zählung vergessen. Er rät ihnen, sich selbst in den Sand zu stecken und die Tupfen zu zählen, um die richtige Anzahl zu erhalten. Die Büsumer folgen dem Rat des Fremden und zählen sich erneut - diesmal finden sie neun Personen. Überglücklich über die Lösung ihres Problems laden sie den Fremden zum Frühstück ein. Das Gedicht endet mit einer humorvollen Pointe, die die übermäßige Bescheidenheit der Büsumer aufs Korn nimmt und gleichzeitig die Bedeutung von Selbstbewusstsein und der Fähigkeit, sich selbst zu erkennen, hervorhebt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Die Büsumer wohnen am Meeresstrand
- Hyperbel
- Des einen Sonntags ihrer neun
- Ironie
- Denn er ist echtes Büsumer Kind, Die immer so bescheiden sind
- Metapher
- Steck jeder die Nas in den Sand einmal
- Personifikation
- Wo eben ein kluger Fremder stand
- Wiederholung
- Und zählten immer aufs neu