Die Buche

Luise Büchner

1877

Allein steht eine Buche Entfernt vom Waldesplan, Von Sträuchern nur umgeben Zu klein, sie zu erstreben, An die sie sich nicht lehnen kann.

Doch wie sie so alleine Dort wurzelt stolz und stark, Verkünden Wuchs und Krone, Dass tief im Innern wohne Ein kräftiges und edles Mark.

Es mag der Sturm umpeitschen Und wild umtoben sie; Er mag die Zweige knicken, Die Blitze sie umzücken, Den Wipfel beugt sie feige nie!

Doch unter diesem Wipfel Hängt sicher manches Nest, Zur Blüte Knospen streben, Hebt sich zu höhrem Leben Am Stamm empor der Efeu fest.

O, Baum, in deiner Höhe, Wie glücklich scheinst du mir! Die Starke bei den Schwachen, Darfst du sie stolz bewachen Und Alles schaut hinauf zu dir!

Da reget sie die Zweige Und flüstert leis und lind: “Wohl schön ists, dass ich ihnen, Den Schwachen, hier kann dienen, Doch bin ich drum nicht frohgesinnt.

Wie ich allein hier stehe Ganz auf mich selbst gestellt, Wär unter meinem Dache Ich lieber doch die schwache Feldblume, die mein Schutz erhält.

Wär lieber selbst das Vöglein, Das süß mir Lieder singt, Am liebsten wohl der warme Efeu, der seine Arme In Lieb und Treue um mich schlingt!”

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Illustration zu Die Buche

Interpretation

Das Gedicht "Die Buche" von Luise Büchner beschreibt eine einzelne Buche, die abseits vom Wald steht und von Sträuchern umgeben ist. Die Buche wird als stark und stolz dargestellt, mit tiefen Wurzeln und einer kräftigen Krone, die Stürme und Blitze trotzt. Trotz ihrer Stärke und der Tatsache, dass sie Schutz für Vögel und Pflanzen bietet, drückt die Buche Sehnsucht nach einer anderen Rolle aus. Die Buche wünscht sich, selbst schwach und beschützt zu sein, wie eine Feldblume unter ihrem eigenen Schutz, ein singendes Vögelchen oder der Efeu, der sich liebevoll um sie schlingt. Dies zeigt die Ambivalenz der Buche zwischen ihrer starken äußeren Erscheinung und ihrem inneren Wunsch nach Schutz und Geborgenheit. Das Gedicht thematisiert die Einsamkeit und die Sehnsucht nach Verbundenheit, selbst inmitten von Stärke und Schutz. Die Buche, obwohl sie anderen Schutz bietet, sehnt sich selbst danach, beschützt und geliebt zu werden. Dies verdeutlicht die menschliche Natur, die oft nach dem strebt, was ihr selbst fehlt, und die Komplexität der Beziehungen zwischen Stärke und Schwäche, Geben und Nehmen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Am liebsten wohl der warme / Efeu, der seine Arme / In Lieb und Treue um mich schlingt
Personifikation
Da reget sie die Zweige