Die Braut am Grabe des Geliebten

Gabriele von Baumberg

1768

Geschmückt mit blauem Sternenschleyer Zieht bräutlich nun die Nacht heran: Und schmachtend folgt schon ihr Getreuer, Der Mond, auf wolkenloser Bahn.

Die Stille herrscht; nur Philomele Singt noch ihr zärtlich schmelzend Ach! Und flöttet auch in meiner Seele Entschlummerte Gefühle wach.

Das Echo hörts, und hallt die Lieder Der zärtlich treuen Sängerinn Am Grabeshügel traurig wieder, Wo ich verwais’t – verlassen bin.

Ich seh’ mit grambenetzten Blicken Zum heitern, lieben Mond hinauf: Wann wird auch mich die Nacht beglücken? Wann endet meiner Prüfung Lauf?

Wann werd’ ich dort bey hellen Sternen, Wo längst schon mein Erwählter wohnt, Die Regungen vergessen lernen, Die hier kein Sterblicher belohnt?

Wann wird die Segensmacht erscheinen, Die uns auf Ewig dort vereint, Wo Engel Freudenthränen weinen, Wenn ein getreues Weib erscheint?

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Illustration zu Die Braut am Grabe des Geliebten

Interpretation

Das Gedicht "Die Braut am Grabe des Geliebten" von Gabriele von Baumberg thematisiert die tiefe Trauer einer jungen Frau, die am Grab ihres verstorbenen Geliebten steht. Die Nacht wird als "brautlich" beschrieben, was die Verbindung zwischen der trauernden Frau und der Dunkelheit symbolisiert. Der Mond, als "Getreuer" der Nacht, begleitet sie auf ihrem einsamen Weg. Die Stille der Nacht wird nur durch den Gesang der Nachtigall, Philomele, durchbrochen, der schmerzliche Erinnerungen in der Seele der Frau weckt. Die Frau fühlt sich am Grab ihres Geliebten verlassen und einsam. Das Echo der Lieder der Nachtigall verstärkt ihre Trauer und Einsamkeit. Sie blickt zum Mond auf und fragt sich, wann ihre Nacht des Leids enden wird. Die Sehnsucht nach ihrem Geliebten, der bereits im Jenseits weilt, ist unerträglich. Sie wünscht sich, die Schmerzen und Sehnsüchte zu vergessen, die im irdischen Leben unbelohnt bleiben. Die Frau sehnt sich nach der "Segensmacht", die sie und ihren Geliebten im Jenseits für immer vereinen wird. Dort, wo Engel Freudentränen vergießen, wenn eine treue Frau erscheint, hofft sie auf Erlösung und ewige Liebe. Das Gedicht endet mit der Hoffnung auf ein Wiedersehen im Himmel, wo die Liebe keine Grenzen kennt und die Treue belohnt wird.

Schlüsselwörter

wann nacht mond zärtlich geschmückt blauem sternenschleyer zieht

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Philomele singt
Metapher
Engel Freudenthränen weinen
Personifikation
Das Echo hört und hallt die Lieder