Die böse Farbe

Wilhelm Müller

1794

Ich möchte ziehn in die Welt hinaus, Hinaus in die weite Welt; Wenn′s nur so grün, so grün nicht wär, Da draußen in Wald und Feld!

Ich möchte die grünen Blätter all Pflücken von jedem Zweig, Ich möchte die grünen Gräser all Weinen ganz totenbleich.

Ach Grün, du böse Farbe du, Was siehst mich immer an So stolz, so keck, so schadenfroh, Mich armen weißen Mann?

Ich möchte liegen vor ihrer Tür In Sturm und Regen und Schnee. Und singen ganz leise bei Tag und Nacht Das eine Wörtchen: Ade!

Horch, wenn im Wald ein Jagdhorn schallt, Da klingt ihr Fensterlein! Und schaut sie auch nach mir nicht aus, Darf ich doch schauen hinein.

O binde von der Stirn dir ab Das grüne, grüne Band; Ade, ade! Und reiche mir Zum Abschied deine Hand!

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Illustration zu Die böse Farbe

Interpretation

Das Gedicht "Die böse Farbe" von Wilhelm Müller handelt von einem lyrischen Ich, das die Welt verlassen möchte, weil es von der Farbe Grün, die es als böse empfindet, gestört wird. Das Ich sehnt sich danach, die grünen Blätter und Gräser zu pflücken und sie welken zu sehen, da es von der Farbe Grün bedroht und provoziert wird. Das Ich beschreibt die Farbe Grün als stolz, keck und schadenfroh, was es als armen weißen Mann empfindet. Es möchte vor der Tür der Geliebten liegen und bei Tag und Nacht das Wort "Ade" singen. Es lauscht auf das Jagdhorn im Wald und hofft, dass die Geliebte aus dem Fenster schaut, auch wenn sie es nicht tut. Das Ich bittet die Geliebte, das grüne Band von ihrer Stirn zu nehmen und ihm zum Abschied die Hand zu reichen. Das Gedicht vermittelt eine melancholische Stimmung und eine tiefe Sehnsucht nach Veränderung und Abschied. Die Farbe Grün wird als Symbol für das Leben und die Natur verwendet, die das lyrische Ich als bedrohlich empfindet. Die Geliebte wird als Symbol für die Hoffnung und die Möglichkeit des Abschieds dargestellt. Das Gedicht endet mit einem Appell an die Geliebte, das grüne Band zu entfernen und dem Ich die Hand zu reichen, was als Zeichen der Trennung und des Abschieds interpretiert werden kann.

Schlüsselwörter

möchte grün ade welt hinaus wald grünen all

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
stolz, so keck, so schadenfroh
Anapher
Ich möchte ziehn in die Welt hinaus, Hinaus in die weite Welt; Ich möchte die grünen Blätter all Pflücken von jedem Zweig, Ich möchte die grünen Gräser all Weinen ganz totenbleich.
Hyperbel
Ich möchte die grünen Blätter all Pflücken von jedem Zweig
Kontrast
mich armen weißen Mann
Metapher
Ach Grün, du böse Farbe du
Personifikation
Ich möchte die grünen Gräser all Weinen ganz totenbleich.
Wiederholung
Ade, ade!