Die Blumen

Friedrich von Schiller

1759

Kinder der verjüngten Sonne, Blumen der geschmückten Flur, Euch erzog zu Lust und Wonne, Ja, Euch liebte die Natur. Schön das Kleid mit Licht gesticket, Schön hat Flora Euch geschmücket Mit der Farben Götterpracht. Holde Frühlingskinder, klaget! Seele hat sie Euch versaget, Und ihr selber wohnt in Nacht.

Nachtigall und Lerche singen Euch der Liebe selig Los, Gaukelnde Sylphiden schwingen Buhlend sich auf Eurem Schoß. Wölbte Eures Kelches Krone Nicht die Tochter der Dione Schwellend zu der Liebe Pfühl? Zarte Frühlingskinder, weinet! Liebe hat sie euch verneinet, Euch das selige Gefühl.

Aber hat aus Nanny′s Blicken Mich der Mutter Spruch verbannt, Wenn Euch meine Hände pflücken Ihr zum zarten Liebespfand: Leben, Sprache, Seelen, Herzen, Stumme Boten süßer Schmerzen, Goss Euch dies Berühren ein, Und der mächtigste der Götter Schließt in Eure stillen Blätter Seine hohe Gottheit ein.

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Illustration zu Die Blumen

Interpretation

Das Gedicht "Die Blumen" von Friedrich von Schiller ist ein Loblied auf die Schönheit und Vielfalt der Blumen. Schiller beschreibt die Blumen als Kinder der Sonne und der Natur, die mit leuchtenden Farben und einem prächtigen Kleid ausgestattet sind. Er bewundert ihre äußere Erscheinung und ihre Anziehungskraft auf andere Geschöpfe wie Vögel und Sylphen. Im zweiten Teil des Gedichts äußert Schiller jedoch auch eine gewisse Kritik an den Blumen. Er bedauert, dass ihnen die Seele und das Gefühl für Liebe fehlt. Im Gegensatz zu den singenden Vögeln und den tanzenden Sylphen sind die Blumen stumm und leblos. Sie können die Liebe nicht erfahren und bleiben in der Dunkelheit gefangen. Im letzten Teil des Gedichts findet Schiller jedoch eine Lösung für dieses Problem. Wenn er die Blumen pflückt und Nanny, seiner Geliebten, als Liebesbeweis schenkt, erhalten sie eine neue Bedeutung. Sie werden zu Boten seiner Liebe und seiner Sehnsucht. Durch diese Handlung erhalten die Blumen ein neues Leben und eine neue Seele. Sie werden zu Symbolen der Liebe und der Leidenschaft, die selbst die Götter nicht überwinden können.

Schlüsselwörter

liebe schön frühlingskinder kinder verjüngten sonne blumen geschmückten

Wortwolke

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Stilmittel

Bildsprache
Nachtigall und Lerche singen
Hyperbel
Schön das Kleid mit Licht gesticket
Kontrast
Holde Frühlingskinder, klaget! Seele hat sie Euch versaget
Metapher
Goss Euch dies Berühren ein
Personifikation
der mächtigste der Götter Schließt in Eure stillen Blätter Seine hohe Gottheit ein