Die Blume
1819Der Frühling war im Thale, Es blühte im grünen Hag, Und Alles vom Sonnenstrale Glühend umfangen lag.
Da kam ein stilles Mädchen Traurig ins Wiesengrün, Und manche heiße Thräne Fiel in der Blumen Blühn.
Da hoben sich die Blumen Und sahn sie schmerzlich an, Und frugen das bleiche Mädchen: Was haben sie dir gethan?
O laß die bösen Menschen! Stille des Herzens Pein — Du könntest lachen, und jubeln Und immer fröhlich sein!
Du konntest wie wir Blumen Mit Duft und Glan′z und Licht Ein jedes Herz erfreuen. Du lieblich Angesicht! —
Da neigte das Mädchen die Augen Und blickte erdenwärts, Und lauter schlug ihr das arme, Das tief gekränkte Herz.
Ich bin wie eine Blume! So rief sie thränenreich — Ich keimte, blühte und glühte, Nun welk ich, Blumen gleich!
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Interpretation
Das Gedicht "Die Blume" von Hermann Rollett handelt von einem jungen Mädchen, das in einer Frühlingslandschaft von tiefer Traurigkeit überwältigt wird. Die Natur um sie herum ist in voller Blüte, doch das Mädchen kann die Schönheit nicht genießen und weint stattdessen unter den Blumen. Die Blumen selbst scheinen ihre Trauer zu bemerken und fragen sie, was die Menschen ihr angetan haben, dass sie so traurig ist. Sie laden sie ein, ihre Sorgen zu vergessen und wie sie selbst zu sein - voller Duft, Glanz und Licht, um die Herzen zu erfreuen. Das Mädchen ist jedoch von ihrer Trauer so überwältigt, dass es die Blumen kaum wahrnimmt. Erst als sie sich selbst mit einer Blume vergleicht, scheint ein Funke des Verständnisses in ihr aufzugehen. Sie erkennt, dass sie wie eine Blume ist - sie keimte, blühte und glühte, aber nun welkt sie, genau wie die Blumen. Dieser Vergleich verdeutlicht die Vergänglichkeit des Lebens und die tiefe Traurigkeit, die das Mädchen überwältigt. Das Gedicht endet mit einem Hauch von Resignation und Akzeptanz. Das Mädchen scheint zu verstehen, dass ihr Schicksal dem der Blumen ähnelt - sie wird welken und vergehen. Doch es gibt auch einen Funken Hoffnung in ihren Worten, denn sie erkennt ihre eigene Schönheit und Vergänglichkeit an. Das Gedicht ist eine ergreifende Darstellung von Trauer, Vergänglichkeit und der Schönheit des Lebens, die selbst in den dunkelsten Momenten zu finden ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Ich keimte, blühte und glühte, Nun welk ich, Blumen gleich!
- Personifikation
- Und frugen das bleiche Mädchen: Was haben sie dir gethan?