Die Blüten
1866Zierlich geputzt, im weißen Schleier Harren die Blüten auf ihren Freier: Herrn Flätterling, Herrn Sumsumsum, Herrn Muck oder Puck oder Hummelbrumm.
Sind noch viel scheue Bräutchen dabei, Die hielten sich gerne noch frei, Bis alles auch wirklich in Ordnung sei! Drum schließen sie eng noch den Kelch zusammen, Bergen noch streng vor den Sonnenflammen Ihre Narben und Pollen, Daß die noch warten sollen.
Aber die anderen lockte das Licht, Und sie wehrten sich nicht. Und die Lustigsten und die Kühnsten, Die sich schon ganz erschlossen, Kichern: Wir stünden schon heut’ zu Diensten Jedem Genossen!
Husch, ist der Himmel schwarz und schwer Wie die Nacht! Hui, und da braust es schon her Pfeilgeschwind - Seine Hochzeit macht Junker Wirbelwind!
Tanzt einen tollen Reigen Mit den erschrockenen Zweigen, Greift in gierigem Wüten Alle die offenen Blüten, Wühlt darinnen mit wilder Lust Und zerpflückt sie an seiner Brust!
Ein Strahl, ein schmetternder Schlag… Ruhig wieder blaut der Tag Ueber dem Hag. In den erschütterten Lüften Liegt von versprühten, Verflatterten Blüten Süßes, trunkenes Düften, Als wollten im Tode noch sagen Sie, die der Sturm zerschlagen: Mußten wir auch verglühn, Wohl uns - wir starben im Blühn!
Doch auch die Unversehrten, die Zagen, Haben’s nun gut, Fassen wieder Mut, Richten sich auf mit Behagen, Träumen von langer Sonnenglut Und vom Früchtetragen.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Blüten" von Hanns von Gumppenberg beschreibt das Leben der Blüten, die auf ihre Bestäuber warten und dabei unterschiedliche Verhaltensweisen zeigen. Einige Blüten sind schüchtern und verschlossen, während andere offen und bereit sind, ihre Bestäuber zu empfangen. Das Gedicht schildert die Erwartung und Sehnsucht der Blüten nach ihrem Freier, der in Form von Insekten wie Schmetterlingen, Bienen und Hummeln kommt. Die Stimmung ändert sich jedoch plötzlich, als ein Sturm aufzieht. Der Sturm, personifiziert als "Junker Wirbelwind", tanzt einen wilden Reigen mit den Zweigen und reißt die offenen Blüten mit sich. Die Blüten werden zerpflückt und zerstört, doch selbst im Tod verströmen sie noch einen süßen Duft und drücken ihre Freude darüber aus, dass sie im Blühen gestorben sind. Am Ende des Gedichts kehrt Ruhe ein und die unversehrten, zögerlichen Blüten fassen wieder Mut. Sie träumen von langer Sonnenglut und dem Tragen von Früchten. Das Gedicht vermittelt eine Botschaft der Vergänglichkeit und der Schönheit des Lebens, selbst im Angesicht des Todes. Es zeigt, dass selbst in der Zerstörung eine gewisse Schönheit und Erfüllung liegen kann.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Herrn Flätterling, Herrn Sumsumsum, Herrn Muck oder Puck oder Hummelbrumm
- Metapher
- Seine Hochzeit macht
- Personifikation
- Und vom Früchtetragen