Die Bill

Gottlieb Konrad Pfeffel

1802

Einst fiel dem Löwen ein, es wäre Doch gegen eines Königs Ehre Und gegen das Jus publicum, Daß er sich selbst sein Futter schaffe. Sein weises Ministerium, Der Fuchs, der Büffel und der Affe, Trat des Monarchen Meynung bey. Sogleich gebot er allen Thieren, Ihm einen Schoß von Korn und Heu Und Wildpret jährlich abzuführen. Der Esel mußte das Edict, Als Wappenherold bunt geschmückt, An allen Ecken ausposaunen. Das Volk vernahm es mit Erstaunen: Es drang sich in Proceßion, Wie dort in Vater Noahs Kasten, Vereint vor des Monarchen Thron Und wollte von den neuen Lasten Befreyet seyn. Der Elephant Sprach männlich als Repräsentant: Wie, Herr, was konnte dich bewegen, Uns diese Steuer aufzulegen? Schweig, fiel ihm der Despot hier ein, Uns Könige darf Zevs allein Zur Rechnung ziehen. Loser Spötter! Versetzt der Bär, erst gestern noch Sprachst du, es gäbe keine Götter. Nun ward man laut. Der Menge kroch Das Ding zu Kopfe. Schließlich machte Das Volk mit reifem Vorbedachte Die Bill: daß, weil ein Großsultan Den höchsten Richter unsrer Thaten Verachten oder läugnen kann, Man vor der Hand den Autokraten Verpflichten soll, der Nation Von seiner Wirtschaft auf dem Thron, Mit unter auch von seinem Leben Genaue Rechenschaft zu geben.

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Illustration zu Die Bill

Interpretation

Das Gedicht "Die Bill" von Gottlieb Konrad Pfeffel handelt von einem Löwen, der beschließt, sich von den anderen Tieren sein Futter abfordern zu lassen. Sein Ministerium, bestehend aus Fuchs, Büffel und Affe, unterstützt ihn dabei. Der Esel posaunt das Edikt aus, und das Volk versammelt sich vor dem Thron des Monarchen, um von den neuen Lasten befreit zu werden. Der Elefant spricht als Repräsentant und fragt, warum der Löwe ihnen diese Steuer auferlegt. Der Despot antwortet, dass nur Zeus die Könige zur Rechenschaft ziehen darf. Der Bär wirft ihm vor, dass er gestern noch behauptet habe, es gäbe keine Götter. Schließlich beschließt das Volk, dass der Autokrat ihnen Rechenschaft über seine Regierung und sein Leben geben soll, da er den höchsten Richter verachtet oder geleugnet hat. Das Gedicht kritisiert die Willkürherrschaft und die Selbstherrlichkeit der Herrscher. Der Löwe als König missbraucht seine Macht, um sich von seinen Untertanen bedienen zu lassen. Er lässt sich nicht gerne kritisieren oder hinterfragen und beruft sich auf göttliche Rechte. Das Volk erkennt jedoch, dass es sich gegen die Unterdrückung wehren muss und fordert Transparenz und Verantwortlichkeit vom Herrscher. Das Gedicht zeigt auch die Heuchelei und den Widerspruch in der Argumentation des Löwen, der einerseits die Existenz der Götter leugnet, sich aber andererseits auf sie beruft, um seine Autorität zu legitimieren. Das Gedicht "Die Bill" ist ein Beispiel für die politische Dichtung der Aufklärung, die sich gegen die Absolutismus und für die Vernunft und die Menschenrechte einsetzte. Pfeffel nutzt die Fabel als eine Form der Satire, um die Missstände seiner Zeit zu thematisieren und eine moralische Lehre zu vermitteln. Er fordert die Leser auf, sich gegen die Tyrannei zu erheben und ihre Rechte einzufordern. Das Gedicht ist auch ein Plädoyer für die Gewaltenteilung und die Kontrolle der Macht durch das Volk.

Schlüsselwörter

fiel monarchen allen volk thron einst löwen wäre

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Schweig, fiel ihm der Despot hier ein
Anapher
Daß, weil ein Großsultan Den höchsten Richter unsrer Thaten Verachten oder läugnen kann
Hyperbel
Wie dort in Vater Noahs Kasten
Ironie
Der Esel mußt das Edict, Als Wappenherold bunt geschmückt, An allen Ecken ausposaunen.
Kontrast
Nun ward man laut. Der Menge kroch Das Ding zu Kopfe.
Metapher
Es wäre doch gegen eines Königs Ehre und gegen das Jus publicum, Daß er sich selbst sein Futter schaffe.
Personifikation
Einst fiel dem Löwen ein, es wäre doch gegen eines Königs Ehre und gegen das Jus publicum, Daß er sich selbst sein Futter schaffe.
Rhetorische Frage
Wie, Herr, was konnte dich bewegen, Uns diese Steuer aufzulegen?