Die Beiden

Hugo von Hofmannsthal

1896

Sie trug den Becher in der Hand - Ihr Kinn und Mund glich seinem Rand -, So leicht und sicher war ihr Gang, Kein Tropfen aus dem Becher sprang.

So leicht und fest war seine Hand: Er ritt auf einem jungen Pferde, Und mit nachlässiger Gebärde Erzwang er, daß es zitternd stand.

Jedoch, wenn er aus ihrer Hand Den leichten Becher nehmen sollte, So war es beiden allzu schwer: Denn beide bebten sie so sehr, Daß keine Hand die andre fand Und dunkler Wein am Boden rollte.

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Illustration zu Die Beiden

Interpretation

Das Gedicht "Die Beiden" von Hugo von Hofmannsthal handelt von zwei Personen, die durch ihre Fähigkeit, Dinge sicher und fest zu halten, charakterisiert werden. Die Frau trägt einen Becher in der Hand und geht so leicht und sicher, dass kein Tropfen aus dem Becher fällt. Der Mann hingegen reitet auf einem jungen Pferd und hält es mit seiner festen Hand dazu an, zitternd zu stehen. Jedoch, wenn es darum geht, den Becher aus der Hand der Frau zu nehmen, versagen beide. Beide Hände zittern so sehr, dass sie sich nicht finden und der dunkle Wein auf den Boden fällt. Dies deutet auf eine gewisse Nervosität oder Unsicherheit hin, die die beiden Personen in der Gegenwart des anderen verspüren. Es könnte eine Metapher für die Schwierigkeiten sein, die beim Aufbau einer Beziehung oder beim Ausdruck von Gefühlen auftreten können.

Schlüsselwörter

hand becher leicht trug kinn mund glich rand

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Stilmittel

Hyperbel
So war es beiden allzu schwer
Kontrast
So leicht und fest war seine Hand
Metapher
Ihr Kinn und Mund glich seinem Rand
Personifikation
Daß keine Hand die andre fand