Die beiden Zecher
1813Beim Weine sah ich einst zwei Zecher sitzen; Der eine rief: kein Tropfen wird vergossen, Bevor sich das Geheimnis mir erschlossen, Woher es kommt, dies Perlen und dies Blitzen!
Der andre sprach: er wird mein Blut erhitzen, Und daraus ist mir nie noch Heil entsprossen, Wie wär′ mir′s, wenn ich nach dem Rausch verdrossen Mich fände auf den schroffsten Felsenspitzen!
So saßen sie und grübelten aufs beste, Indes umsonst die Goldpokale lachten, Zu ihres gütigen Bewirters Qualen;
Inzwischen kam ein Haufen frischer Gäste, Da sahn sie sich vertrieben, eh′ sie′s dachten, Und müssen nun mit ew′gem Durst bezahlen!
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Interpretation
Das Gedicht "Die beiden Zecher" von Friedrich Hebbel beschreibt zwei Männer, die sich in tiefgründige Gedanken verlieren, während sie Wein trinken. Der eine Zecher sucht nach dem Geheimnis hinter dem Funkeln und Perlen des Weins, während der andere sich Sorgen um die berauschende Wirkung des Weins macht. Beide sind in ihre eigenen Überlegungen vertieft und achten nicht auf den Wein selbst oder die Zeit. Während die beiden Zecher in ihren Gedanken versunken sind, kommen frische Gäste hinzu. Ohne es zu bemerken, werden sie von ihrem Platz vertrieben. Sie müssen nun mit einem ewigen Durst bezahlen, was darauf hindeutet, dass sie den Genuss des Weins verpasst haben und nun ohne Erfüllung dastehen. Das Gedicht vermittelt eine Botschaft über die Gefahr des übermäßigen Nachdenkens und der Vernachlässigung des gegenwärtigen Moments. Die beiden Zecher verpassen den Genuss des Weins, weil sie zu sehr in ihre Gedanken vertieft sind. Am Ende müssen sie einen hohen Preis zahlen, indem sie mit einem ewigen Durst zurückbleiben.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Wie wär′ mir′s, wenn ich nach dem Rausch verdrossen / Mich fände auf den schroffsten Felsenspitzen!
- Hyperbel
- Und müssen nun mit ew′gem Durst bezahlen
- Kontrast
- Der eine rief: kein Tropfen wird vergossen, / Bevor sich das Geheimnis mir erschlossen, / Woher es kommt, dies Perlen und dies Blitzen! / Der andre sprach: er wird mein Blut erhitzen
- Metapher
- Beim Weine sah ich einst zwei Zecher sitzen
- Personifikation
- Indes umsonst die Goldpokale lachten