Die beiden Waldfeuer

Bruno Wille

1928

Waldfeuer drüben an der Bergeshalde, Dein Wölkchen Rauch Schwebt einsam nicht; aus meinem Tannenwalde Steigt gleicher Hauch.

Ob dort und hier zwei treue Herzen flammen, Getrennt durch Kluft und Strom/ Den Rauch, die beiden Säulen, schmilzt zusammen Ein Himmelsdom.

Die Ferne hat ein Minnen uns beschieden, Das nicht genießt, Nur segnend grüßt/ und sanft zu Gottes Frieden Hinüberfließt.

Und ob ich ewig dunkel bliebe Wie traurig diese Wälder düstern! Kein Sonnengold tief innen lacht; Das tun die felsengrauen Rüstern, Von Laubgeflechten überdacht.

Auch ich so trüb. Der Liebe Gnade Darf strahlen nicht zu meinem Grund. Die Sorg umdüstert meine Pfade, Ich bin ein öder Dickichtschlund.

Doch duld ich lächelnd, heilge Sonne, Daß sich dein Brautkuß mir verschließt/ Wenn draußen nur die goldne Wonne Um tausend Sonnenkindlein fließt.

Laß lieben dich mit jener Liebe, Die nicht Genuß, nur Andacht will. Und ob ich ewig dunkel bliebe/ Von deinem Leuchten träum ich still.

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Illustration zu Die beiden Waldfeuer

Interpretation

Das Gedicht "Die beiden Waldfeuer" von Bruno Wille handelt von der Sehnsucht und dem unerfüllten Liebesverlangen zweier Menschen, die durch große Entfernung voneinander getrennt sind. Die beiden Waldfeuer symbolisieren die Herzen der Liebenden, deren Rauch sich zu einem "Himmelsdom" vereint, obwohl sie physisch getrennt sind. Die Liebe wird als etwas beschrieben, das nicht genossen, sondern nur segnend und sanft zu Gott fließend erfahren werden kann. Im zweiten Teil des Gedichts wendet sich der lyrische Ich an die "heilige Sonne", die für die Geliebte oder die Liebe selbst stehen könnte. Das Ich beschreibt sich selbst als dunkel und trüb, als einen "öden Dickichtschlund", der nicht von der Liebe erleuchtet werden darf. Trotzdem akzeptiert es diese Dunkelheit und findet Trost darin, von dem Leuchten der Geliebten zu träumen. Die letzte Strophe betont die selbstlose, andächtige Natur der Liebe, die nicht auf Genuss, sondern auf Hingabe ausgerichtet ist. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine melancholische Stimmung, die von unerfüllter Liebe, Sehnsucht und Akzeptanz der eigenen Unvollkommenheit geprägt ist. Die Naturbilder, insbesondere die Waldfeuer und die Sonne, dienen als Metaphern für die inneren Zustände der Liebenden und ihre Beziehung zueinander.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Schmilzt zusammen
Metapher
Von deinem Leuchten träum ich still
Personifikation
Getrennt durch Kluft und Strom
Symbolik
Die beiden Säulen