Die Bauern

Georg Trakl

1887

Vorm Fenster tönendes Grün un Rot. Im schwarzverräucherten, niederen Saal Sitzen die Knechte und Mägde beim Mahl; Und sie schenken den Wein und sie brechen das Brot.

Im tiefen Schweigen der Mittagszeit Fällt bisweilen ein karges Wort. Die Äcker flimmern in einem fort Und der Himmel bleiern und weit.

Fratzenhaft flackert im Herd die Glut Und ein Schwarm von Fliegen summt. Die Mägde lauschen blöd und verstummt Und ihre Schläfen hämmert das Blut.

Und manchmal treffen sich Blicke voll Gier, Wenn tierischer Dunst die Stube durchweht. Eintönig spricht ein Knecht das Gebet Und ein Hahn kräht unter der Tür.

Und wieder ins Feld. Ein Grauen packt Sie oft im tosenden Ährengebraus Und klirrend schwingen ein und aus Die Sensen geisterhaft im Takt.

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Illustration zu Die Bauern

Interpretation

Das Gedicht "Die Bauern" von Georg Trakl beschreibt das triste und entbehrungsreiche Leben der bäuerlichen Bevölkerung im 19. Jahrhundert. Der erste Abschnitt setzt die Szene vor einem schwarzverräucherten, niederen Saal, in dem die Knechte und Mägde beim Mahl sitzen. Die Farben Grün und Rot, die vor dem Fenster tönen, symbolisieren die Monotonie und Eintönigkeit des ländlichen Lebens. Im zweiten Abschnitt wird die Stille und Lethargie der Mittagszeit betont. Die Äcker flimmern und der Himmel ist bleiern und weit, was die drückende Hitze und die endlose Weite der Felder verdeutlicht. Die kargen Worte, die bisweilen fallen, unterstreichen die mangelnde Kommunikation und den Mangel an geistiger Anregung. Der dritte Abschnitt beschreibt die ungemütliche Atmosphäre im Saal. Die Glut im Herd flackert fratzhaft, und ein Schwarm von Fliegen summt. Die Mägde lauschen blöd und verstummt, und ihre Schläfen hämmert das Blut. Dies deutet auf die körperliche und geistige Erschöpfung der Menschen hin. Die Blicke voller Gier und der tierische Dunst, der die Stube durchweht, lassen auf eine primitive und animalische Existenz schließen. Im letzten Abschnitt wird die Rückkehr aufs Feld beschrieben. Ein Grauen packt die Bauern oft im tosenden Ährengebraus, was auf die Furcht vor der anstrengenden Arbeit und die Monotonie des Dreschens hindeutet. Die Sensen schwingen geisterhaft im Takt, was die Mechanik und den Verlust der Individualität in der Arbeit symbolisiert. Insgesamt vermittelt das Gedicht einen düsteren und pessimistischen Eindruck vom Leben der Bauern, das von Entbehrung, Monotonie und geistiger Leere geprägt ist.

Schlüsselwörter

mägde vorm fenster tönendes grün rot schwarzverräucherten niederen

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Die Sensen geisterhaft im Takt
Bildsprache
Wenn tierischer Dunst die Stube durchweht
Hyperbel
Ein Grauen packt Sie oft im tosenden Ährengebraus
Metapher
Im tiefen Schweigen der Mittagszeit
Onomatopoesie
Ein Schwarm von Fliegen summt
Personifikation
Die Äcker flimmern in einem fort
Symbolik
Und ein Hahn kräht unter der Tür
Vergleich
Fratzenhaft flackert im Herd die Glut