Die Barden
1771Ihr Dichter! ihr Dichter! es hüllt Nacht die Telyn der Barden ein! Der am Quell Mimer oft Braga′s Saite schwieg, Wenn die Erfindung, im West schlummernd, gebar
Erhabneren Geist, und Gestalt Schön wie Knaben im Kriegestanz, Dass entzückt, wenn sie sah, wer geboren war, Ihr des beseelteren Blicks Trunkenheit schwamm.
Leicht springt er, ein Genius, auf, Spielt am Sprosse des Eichenhains! Den Allhend geht sein Gang! seiner Tritte Ton Rieselt daher, wie der Bach, rauscht wie der Strom
Ihr Dichter! ihr Dichter! wo sank Unsrer Filea Telyn hin? Ah es trübt, sinn′ ich nach, was die Trümmer deckt, Mir den beweinenden Blick wünschender Schmerz!
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Die Barden" von Friedrich Gottlieb Klopstock beschäftigt sich mit dem Niedergang der poetischen Inspiration und der Trauer über den Verlust der kreativen Kraft. Klopstock verwendet die Metapher der Barden, die traditionellen Dichter und Sänger, um den Zustand der Dichtkunst zu beschreiben. Die "Telyn", ein altes Saiteninstrument, symbolisiert die poetische Schöpfungskraft, die nun von der Nacht umhüllt ist, was auf eine Zeit der Dunkelheit und des Verfalls hindeutet. Im zweiten Abschnitt erinnert sich der Sprecher an eine vergangene Zeit, in der die Inspiration noch lebendig war. Mimer, eine Figur aus der nordischen Mythologie, die für Weisheit und Dichtkunst steht, schweigt oft die "Braga's Saite", was auf eine Pause in der kreativen Tätigkeit hindeutet. Doch wenn die Erfindung im Westen, dem Ort des Untergangs und der Ruhe, schlummerte, wurden erhabenere Geister und schönere Gestalten geboren. Diese neuen Dichter bezauberten mit ihrem beseelten Blick und ihrer Trunkenheit, was auf eine tiefe emotionale und kreative Intensität hindeutet. Im dritten Abschnitt wird ein Genie beschrieben, das leicht und voller Energie aufsteht und am Eichenhain spielt. Der Eichenhain ist ein Symbol für Stärke und Beständigkeit, und das Genie bewegt sich mit der Leichtigkeit eines Bachs oder Stroms, was auf eine natürliche und fließende Kreativität hindeutet. Doch im letzten Abschnitt kehrt die Trauer zurück, als der Sprecher sich fragt, wo die "Filea Telyn", ein weiteres Saiteninstrument, gesunken ist. Die Trümmer, die sie bedecken, trüben den Blick des Sprechers, und ein sehnlicher Schmerz erfüllt ihn, der nach dem verlorenen Glanz der Dichtkunst verlangt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Ihr Dichter! ihr Dichter!
- Metapher
- Nacht die Telyn der Barden ein
- Personifikation
- Wenn die Erfindung, im West schlummernd, gebar
- Vergleich
- Rieselt daher, wie der Bach, rauscht wie der Strom