Die Auswanderer
1838Ich kann den Blick nicht von euch wenden; Ich muß euch anschaun immerdar: Wie reicht ihr mit geschäft′gen Händen Dem Schiffer eure Habe dar!
Ihr Männer, die ihr von dem Nacken Die Körbe langt, mit Brot beschwert, Das ihr aus deutschem Korn gebacken, Geröstet habt auf deutschem Herd;
Und ihr, im Schmuck der langen Zöpfe, Ihr Schwarzwaldmädchen, braun und schlank, Wie sorgsam stellt ihr Krüg′ und Töpfe Auf der Schaluppe grüne Bank!
Das sind dieselben Töpf′ und Krüge, Oft an der Heimat Born gefüllt! Wenn am Missouri alles schwiege Sie malten euch der Heimat Bild:
Des Dorfes steingefaßte Quelle, Zu der ihr schöpfend euch gebückt, Des Herdes traute Feuerstelle, Das Wandgesims, das sie geschmückt
Bald zieren sie im fernen Westen Des leichten Bretterhauses Wand; Bald reicht sie müden braunen Gästen, Voll frischen Trunkes, eure Hand.
Es trinkt daraus der Tscherokese, Ermattet, von der Jagd bestaubt; Nicht mehr von deutscher Rebenlese Tragt ihr sie heim, mit Grün belaubt.
O sprecht! warum zogt ihr von dannen? Das Neckartal hat Wein und Korn; Der Schwarzwald steht voll finstrer Tannen, Im Spessart klingt des Älplers Horn.
Wie wird es in den fremden Wäldern Euch nach der Heimatberge Grün, Nach Deutschlands gelben Weizenfeldern, Nach seinen Rebenhügeln ziehn!
Wie wird das Bild der alten Tage Durch eure Träume glänzend wehn! Gleich einer stillen, frommen Sage Wird es euch vor der Seele stehn.
Der Bootsmann winkt! - Zieht hin in Frieden: Gott schütz′ euch, Mann und Weib und Greis! Sei Freude eurer Brust beschieden, Und euren Feldern Reis und Mais!
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Interpretation
Das Gedicht "Die Auswanderer" von Ferdinand Freiligrath schildert eine Szene, in der deutsche Auswanderer ihre Habseligkeiten einem Schiffer übergeben, um in die Neue Welt aufzubrechen. Der Dichter beschreibt die Menschen, die ihre Körbe mit Brot und die Mädchen mit ihren Krügen und Töpfen auf das Boot laden. Diese Gegenstände, die einst mit deutscher Erde und deutschen Traditionen verbunden waren, werden nun in der Fremde neue Bedeutung erlangen. Der zweite Teil des Gedichts reflektiert über die Motive der Auswanderung und die Zukunft der Auswanderer in den fremden Wäldern. Freiligrath fragt, warum sie ihre Heimat verlassen haben, wo doch Neckartal Wein und Korn, der Schwarzwald Tannen und der Spessart das Horn des Älplers bietet. Er prophezeit, dass die Auswanderer Heimweh nach den Bergen, den Feldern und den Rebenhügeln Deutschlands bekommen werden und dass das Bild der alten Tage durch ihre Träume glänzen wird. Im letzten Teil des Gedichts wünscht der Dichter den Auswanderern eine gute Reise und Gottes Schutz. Er hofft, dass Freude ihre Herzen erfüllen wird und ihre Felder mit Reis und Mais gesegnet sein werden. Das Gedicht endet mit einem Abschiedswunsch und der Hoffnung auf ein erfolgreiches neues Leben in der Fremde.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Wie reicht ihr mit geschäft′gen Händen / Dem Schiffer eure Habe dar!
- Anapher
- Ich kann den Blick nicht von euch wenden; / Ich muß euch anschaun immerdar:
- Bildsprache
- Des Dorfes steingefaßte Quelle, / Zu der ihr schöpfend euch gebückt, / Des Herdes traute Feuerstelle, / Das Wandgesims, das sie geschmückt
- Hyperbel
- Ich kann den Blick nicht von euch wenden; / Ich muß euch anschaun immerdar:
- Kontrast
- O sprecht! warum zogt ihr von dannen? / Das Neckartal hat Wein und Korn; / Der Schwarzwald steht voll finstrer Tannen, / Im Spessart klingt des Älplers Horn.
- Metapher
- Das sind dieselben Töpf′ und Krüge, / Oft an der Heimat Born gefüllt!
- Personifikation
- Wie wird es in den fremden Wäldern / Euch nach der Heimatberge Grün, / Nach Deutschlands gelben Weizenfeldern, / Nach seinen Rebenhügeln ziehn!
- Vergleich
- Gleich einer stillen, frommen Sage / Wird es euch vor der Seele stehn.