Die Aufgeregten

Gottfried Keller

1819

Welche tief bewegten Lebensläufchen, Welche Leidenschaft, welch wilder Schmerz! Eine Bachwelle und ein Sandhäufchen Brachen gegenseitig sich das Herz!

Eine Biene summte hohl und stiess Ihren Stachel in ein Rosendüftchen, Und ein holder Schmetterling zerriss Den azurnen Frack im Sturm der Mailüftchen!

In ein Tröpflein Tau am Butterblümchen Stürzt′ sich eine kleine Käferfrau, Und die Blume schloss ihr Heiligtümchen Sterbend über dem verspritzten Tau!

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Illustration zu Die Aufgeregten

Interpretation

Das Gedicht "Die Aufgeregten" von Gottfried Keller zeigt eine Reihe von Miniaturdramen in der Natur, in denen kleine Wesen und Elemente übermäßig emotionale Reaktionen aufeinander zeigen. Eine Bachwelle und ein Sandhäufchen brechen sich gegenseitig das Herz, eine Biene sticht in ein Rosendüftchen, ein Schmetterling zerreißt seinen azurnen Frack im Sturm der Mailüftchen, und eine Käferfrau stürzt sich in ein Tröpfchen Tau, woraufhin die Blume sterblich über dem verspritzten Tau zusammenschrumpft. Diese übertriebenen Reaktionen auf scheinbar unwichtige Ereignisse werden als "aufgeregt" beschrieben. Keller verwendet diese übertriebenen Reaktionen, um die menschliche Tendenz zu kritisieren, in unwichtigen Angelegenheiten übermäßig emotional zu reagieren. Die Naturwesen und Elemente werden als menschliche Charaktere dargestellt, die in melodramatischen Szenen agieren. Die Bachwelle und das Sandhäufchen brechen sich gegenseitig das Herz, als ob sie menschliche Liebende wären. Die Biene sticht in das Rosendüftchen, als ob sie sich an ihm rächen wollte. Der Schmetterling zerreißt seinen azurnen Frack im Sturm der Mailüftchen, als ob er ein dandyhafter Gentleman wäre, der sich über sein zerrissenes Jackett aufregt. Und die Käferfrau stürzt sich in das Tröpfchen Tau, als ob es ein Selbstmordakt wäre, woraufhin die Blume sterblich zusammenschrumpft, als ob sie um den Verlust trauern würde. Das Gedicht endet mit einer moralischen Lektion, die den Leser auffordert, nicht übermäßig emotional auf unwichtige Dinge zu reagieren. Die Naturwesen und Elemente werden als "aufgeregt" beschrieben, was darauf hindeutet, dass ihre Reaktionen übertrieben und unnötig sind. Das Gedicht fordert den Leser auf, ruhig zu bleiben und nicht übermäßig emotional auf unwichtige Dinge zu reagieren, wie die Naturwesen und Elemente im Gedicht.

Schlüsselwörter

tau tief bewegten lebensläufchen leidenschaft welch wilder schmerz

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Stilmittel

Bildsprache
In ein Tröpflein Tau am Butterblümchen / Stürzt′ sich eine kleine Käferfrau, / Und die Blume schloss ihr Heiligtümchen / Sterbend über dem verspritzten Tau!
Hyperbel
Welche tief bewegten Lebensläufchen, / Welche Leidenschaft, welch wilder Schmerz!
Metapher
Und ein holder Schmetterling zerriss / Den azurnen Frack im Sturm der Mailüftchen!
Personifikation
Eine Bachwelle und ein Sandhäufchen / Brachen gegenseitig sich das Herz!