Die alte Jungfer
1859Niemand zu Liebe, niemand zu Last, ist sie erloschen und verblaßt.
In ihrem Stübchen sann sie und sann, Bis ihr einsames Leben darüber verrann.
Keiner hat nach ihr die Hand ausgestreckt Und die flügelgebundene Seele erweckt.
Keiner hat in der Sommernacht Zu seligem Weinen sie gebracht.
Und doch flogen Locken auch ihr ums Gesicht, Und ihre Augen glänzten jung und licht.
Und doch schlug auch ihr in verschwiegener Brust Die Sehnsucht nach Sonne und Frühlingslust.
Niemand zu Liebe, niemand zu Last, ist sie erloschen und verblaßt.
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Interpretation
Das Gedicht "Die alte Jungfer" von Maria Janitschek beschreibt das einsame und unerfüllte Leben einer Frau, die ohne Liebe und Zuneigung verblasst ist. Die Wiederholung des Satzes "Niemand zu Liebe, niemand zu Last" am Anfang und Ende des Gedichts betont die Isolation und Einsamkeit der Protagonistin. Die Frau verbringt ihr Leben in ihrem kleinen Zimmer, sinnend und nachdenklich, bis ihr einsames Dasein vorüber ist. Es wird deutlich, dass niemand nach ihr die Hand ausgestreckt oder ihre Seele erweckt hat, was ihre tiefe Einsamkeit und das Fehlen menschlicher Nähe unterstreicht. Auch in den Sommernächten, die normalerweise mit romantischen Gefühlen verbunden sind, wurde sie nicht zu "seligem Weinen" gebracht, was auf das Fehlen von Liebe und Leidenschaft in ihrem Leben hindeutet. Trotz ihrer Einsamkeit hatte die Frau einst jugendliche Schönheit und Sehnsucht nach Leben und Glück. Die Beschreibung ihrer "Locken", die ihr ums Gesicht flogen, und ihrer "jung und licht" glänzenden Augen, sowie die "Sehnsucht nach Sonne und Frühlingslust" in ihrer Brust, zeigen, dass sie einst voller Leben und Hoffnung war. Doch am Ende ist sie "erloschen und verblaßt", was die Tragik ihres unerfüllten Lebens unterstreicht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Niemand zu Liebe, niemand zu Last
- Enjambement
- Niemand zu Liebe, niemand zu Last, ist sie erloschen und verblaßt.
- Kontrast
- Und doch flogen Locken auch ihr ums Gesicht, / Und ihre Augen glänzten jung und licht
- Metapher
- flügelgebundene Seele
- Parallelismus
- Keiner hat nach ihr die Hand ausgestreckt / Und die flügelgebundene Seele erweckt
- Personifikation
- Sehnsucht nach Sonne und Frühlingslust