Die Ahnenbilder

Adolf Friedrich Graf von Schack

1815

Aus dem altergrauen Rahmen Blickt ihr fremd auf mich herab, Und ins Aug′ euch mit Vertrauen Wie ein Sohn nicht kann ich schauen; Nichts mit euch ja als den Namen Teil′ ich und dereinst das Grab.

Still am väterlichen Herde, An die Scholle festgebannt, Lebtet ihr im Kreis, dem engen, Kanntet nicht das wilde Drängen, Das mich über diese Erde Ruhlos trieb von Land zu Land;

Nicht der Nächte bleiche Qualen, Wenn der Geist in Fieberhast Sucht ein Traumbild zu erreichen, Doch es weichen sieht und weichen, Bis es in des Morgens Strahlen Wie ein Meteor erblaßt.

Ob des Enkels Thun und Trachten Schütteln seh′ ich euch das Haupt; Früh schon hat es ihn inmitten Der Verwandten nicht gelitten; Nicht gedacht, so wie sie dachten, Hat er, noch wie sie geglaubt.

Wert der Mühn schien ihm nur eines - Durch ein Werk, von ihm vollbracht, In der Menschen Angedenken Seinen Namen einzusenken, Daß er fernhin lichten Scheines Strahle durch der Zeiten Nacht.

Alpengipfel, nie erstiegen, Lockten ihn zu sich empor; Doch, kaum daß er sie erklommen, Höher, morgenlichtumglommen, Sah er andre Firnen liegen, Und ein Abgrund war davor.

Aus des Abends fernsten Meeren, Von des Ostens Purpursaum, Dacht′ er heim den Schatz zu bringen; Doch vergebens war sein Ringen, Und, im Auge heiße Zähren, Sagt er sich: Es war ein Traum.

Bald den Särgen seiner Väter Wird nun seiner eingereiht, Und, wie in der Jahre Rollen Eure Namen längst verschollen, Nur um ein′ge Tage später Deckt auch ihn Vergessenheit.

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Illustration zu Die Ahnenbilder

Interpretation

Das Gedicht "Die Ahnenbilder" von Adolf Friedrich Graf von Schack ist ein introspektives Werk, das die Kluft zwischen den Generationen und die Sehnsucht nach Anerkennung und Vermächtnis thematisiert. Der Sprecher blickt auf die Ahnenbilder an der Wand und fühlt sich ihnen fremd, da er keine tiefe Verbindung zu ihnen hat. Er teilt nur den Namen und das Schicksal, im selben Grab zu ruhen. Der Sprecher kontrastiert sein eigenes Leben mit dem seiner Vorfahren, die ein ruhiges und eingeschränktes Dasein am heimatlichen Herd führten. Er selbst wird von einem unruhigen Drang getrieben, die Welt zu erkunden und sich über die Grenzen seiner Heimat hinaus zu bewegen. Diese Sehnsucht nach Abenteuer und Selbstverwirklichung trennt ihn von seinen Vorfahren. Der Sprecher beschreibt die Qualen und Enttäuschungen, die er auf seiner Suche nach Anerkennung und Vermächtnis erlebt. Er strebt danach, durch seine Werke in den Gedanken der Menschen weiterzuleben und seinen Namen in die Geschichte einzuschreiben. Doch seine Bemühungen werden oft von unüberwindbaren Hindernissen und der Vergänglichkeit des Lebens getrübt. Am Ende akzeptiert der Sprecher, dass auch er, wie seine Vorfahren, in Vergessenheit geraten wird, und sein Name wird nur um einige Tage später als der ihre verschwinden.

Schlüsselwörter

namen land weichen altergrauen rahmen blickt fremd herab

Wortwolke

Wortwolke zu Die Ahnenbilder

Stilmittel

Alliteration
Nichts mit euch ja als den Namen Teil' ich
Hyperbel
Strahle durch der Zeiten Nacht
Metapher
Und, wie in der Jahre Rollen eure Namen längst verschollen
Personifikation
Bald den Särgen seiner Väter wird nun seiner eingereiht
Symbolik
Alpengipfel, nie erstiegen, lockten ihn zu sich empor
Vergleich
Und ins Aug' euch mit Vertrauen wie ein Sohn nicht kann ich schauen