Dichtung

Kathinka Zitz-Halein

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Sehnend erhebt sich mein Geist, bemüht sich die Schranken zu brechen. Es ist dem Freien noch nicht schimpflich der Fittig gelähmt. Nicht durch Vorurtheil umdämmt, durchkreiset er höh’re Regionen, Liebend verweilet er dann, Dichtung, in deinem Gebiet. Was mir das Leben versagt, das find’ ich in eurer Umarmung. Musen, das wird mir durch euch, liebevoll reichlich ersetzt. Neiden die Menschen mich an, verfolgen mich Haß und Verläumdung, Weinend fleh’ ich zu euch Trost und Erheitrung wird mir. Muthig ertrag’ ich den Schmerz, mir ward für die Mißgunst ein Lächeln, Stolzer erhebt sich die Brust, muthiger wallt mir das Blut. Denn von den Göttern ward mir die Gab’ des Gesanges verliehen, Dankbar erkenn’ ich die Gunst, die ja nur Wenigen ward. Murre nicht mit dem Geschick, wenn drohende Blitze es schleudert, Duldend ertrag’ ich sie, sie treffen kein schuldiges Haupt. Bieten die Menschen mir Trotz, ich will nicht vor ihnen mich beugen, Stolzer nur schlägt mir das Herz, schreckt mich nicht Wetter noch Sturm.

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Illustration zu Dichtung

Interpretation

Das Gedicht "Dichtung" von Kathinka Zitz-Halein handelt von der tiefen Verbundenheit der lyrischen Ich-Figur zur Poesie und den Musen. Das Gedicht beginnt mit einer Sehnsucht des Geistes, die Schranken zu durchbrechen und in höhere Regionen vorzudringen. Die Dichtung wird als ein Ort der Freiheit und des Liebens beschrieben, in dem sich der Geist niederlässt. Die Musen werden als Trostspender und Erheiterer in Zeiten von Neid, Hass und Verleumdung angerufen. Die Gabe des Gesanges wird als göttliche Gunst empfunden, die nur wenigen zuteilwird. Das lyrische Ich zeigt sich als mutig und stolz, bereit, Schmerz und Missgunst zu ertragen und sich nicht vor den Menschen zu beugen. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine tiefe Leidenschaft für die Dichtung und eine starke innere Stärke der lyrischen Figur.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Bildsprache
Murre nicht mit dem Geschick, wenn drohende Blitze es schleudert
Hyperbel
Dankbar erkenn' ich die Gunst, die ja nur Wenigen ward
Kontrast
Neiden die Menschen mich an, verfolgen mich Haß und Verläumdung, Weinend fleh' ich zu euch Trost und Erheitrung wird mir
Metapher
Sehnend erhebt sich mein Geist, bemüht sich die Schranken zu brechen
Personifikation
Liebend verweilet er dann, Dichtung, in deinem Gebiet