Dichtersinn
unknownObschon der Jünger ungehirnte Rotte So frech entweiht des Sängers hohes Amt, Obschon das Volk zu schlaffem Lob′ und Spotte Manch halbverstandnes Götterlied verdammt:
Doch schwör′ ich Huldigung dem Musengotte, So wahr ein Funk′ in mir vom Himmel stammt. Oft hat mir, einsam, in der Weihung Grotte Sein wunderbares Wort den Geist entflammt.
Ich werbe nicht um Ruhm, um Lorbeerkronen; Wer nicht um ihretwillen Phöbus Kunst Mit Liebe pflegt, erbuhlt nicht Phöbus Gunst.
Des Dichters Werk soll seinem Schöpfer lohnen. Sein goldner Pfeil ereilet rasch das Ziel, Und still genügt ihm seiner That Gefühl.
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Interpretation
Das Gedicht "Dichtersinn" von August Wilhelm von Schlegel handelt von der tiefen Verbundenheit des Dichters zur Poesie und seiner Ablehnung von Ruhm und äußerer Anerkennung. Trotz der Kritik und Missachtung durch die ungebildete Menge und das Volk bleibt der Dichter seiner Muse treu, da er spürt, dass ein Funke des Göttlichen in ihm brennt. In der Einsamkeit der "Weihung Grotte" wird er durch die Worte der Muse inspiriert und sein Geist entflammt. Der Dichter strebt nicht nach Lorbeerkronen oder Ruhm, sondern pflegt die Kunst des Apoll aus reiner Liebe. Nur wer sich aus Liebe der Poesie widmet, verdient die Gunst des Musengottes. Das Werk des Dichters soll seinem Schöpfer genügen, nicht der Welt. Sein "goldner Pfeil" trifft sein Ziel, ohne dass er sich um äußere Bestätigung bemühen muss. Die innere Befriedigung durch seine Dichtung genügt ihm völlig.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Des Dichters Werk soll seinem Schöpfer lohnen
- Metapher
- Sein goldner Pfeil ereilet rasch das Ziel
- Personifikation
- Wer nicht um ihretwillen Phöbus Kunst Mit Liebe pflegt, erbuhlt nicht Phöbus Gunst