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Dichters Arbeitslied

Von

Geh hin, mein Blick, über die grünen Bäume!
Da huscht ein Vogel, der nimmt dich mit,
Märchenvogel Edelschwarz.

Bleib nicht zu lange im Reich der blauen Träume!
Hier rasten Menschen am Straßenrand,
ihre Hände sind vom Alltag schwarz.

Bring ihnen her den Abglanz der freien Räume!
Sie möchten alle gern in ein Märchenland,
ihr Sonntagskleid ist edelschwarz.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Dichters Arbeitslied von Richard Dehmel

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Dichters Arbeitslied“ von Richard Dehmel zeichnet sich durch einen klaren Appell an den Blick des Dichters aus, verbunden mit der Aufgabe, Trost und Hoffnung in die Welt zu tragen. Das Gedicht ist in drei Strophen gegliedert, wobei jede Strophe aus drei Versen besteht, die durch Reim und Rhythmus eine Einheit bilden. Der Dichter sendet seinen Blick aus, um sowohl die Schönheit der Natur als auch die Not der Menschen zu erfassen und zu transformieren.

Die erste Strophe öffnet mit der Anweisung, dass der Blick über die grünen Bäume schweifen soll. Der „Märchenvogel Edelschwarz“ dient als Metapher für die dichterische Phantasie, die den Blick begleitet und in andere Welten führt. Dieser Vogel, der sowohl Realität als auch Traum miteinander verbindet, verkörpert die Fähigkeit des Dichters, die Realität in eine poetische Form zu kleiden. Die Aufforderung, sich von ihm mitnehmen zu lassen, betont die Freiheit des Dichters, sich von Konventionen zu lösen und in die Welt der Imagination einzutauchen.

Die zweite Strophe führt eine Gegenüberstellung ein. Der Dichter wird ermahnt, nicht zu lange in den „blauen Träumen“ zu verweilen, sondern sich der Realität der Menschen am Straßenrand zuzuwenden. Die „schwarzen“ Hände der Menschen, die vom „Alltag schwarz“ sind, stehen für die Härten und die Mühsal des Lebens. Die Verwendung von „schwarz“ als Metapher für die Bedrängnis des Alltags kontrastiert mit der Unbeschwertheit des Vogel-Bildes und der blauen Träume. Diese Gegenüberstellung verdeutlicht die Verantwortung des Dichters, die Realität wahrzunehmen und zu verarbeiten.

In der abschließenden Strophe wird die zentrale Aufgabe des Dichters deutlich: Er soll den Menschen den „Abglanz der freien Räume“ bringen. Die Sehnsucht der Menschen nach einem „Märchenland“ wird betont, und der „edelschwarze“ Sonntagskleid symbolisiert ihren Wunsch nach Schönheit und Erhebung. Dehmel fordert den Dichter auf, die Not der Menschen zu verstehen und ihre Sehnsüchte durch seine Kunst zu befriedigen. Der Dichter wird somit zu einem Vermittler zwischen der Welt des Traums und der Welt des Alltags, der den Menschen Trost, Hoffnung und Schönheit bieten soll.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.