Dichter

Oskar Loerke

1913

Nichts andres ist geblichen als zuweilen Ein selbstgefundner Klang nur armem Mann. Der Riss in meinem Leben heilt daran Und manche Risse durch die Welten heilen.

Du große Sichel Wort! Du großer Rechen! Mit einem Stöhnen alle Schmerzen stöhnen Samt ihren Ahnen, ihren späten Söhnen! Mit einem Worte alle Worte sprechen!

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Illustration zu Dichter

Interpretation

Das Gedicht "Dichter" von Oskar Loerke beschreibt die poetische Tätigkeit als eine Art Heilungsprozess für den Dichter selbst und die Welt. Der Dichter findet in seinen selbstgefundenen Klängen eine Möglichkeit, die Risse in seinem Leben und in der Welt zu heilen. Diese Klänge sind dabei nicht nur ein Ausdruck des Dichters, sondern auch ein Mittel zur Heilung. In den folgenden Zeilen wird das Wort als eine Art Werkzeug dargestellt, das wie eine Sichel oder ein Rechen eingesetzt wird. Mit einem einzigen Stöhnen können alle Schmerzen, einschließlich ihrer Vorfahren und Nachkommen, zum Ausdruck gebracht werden. Ebenso können mit einem einzigen Wort alle Worte gesprochen werden. Dies verdeutlicht die Macht und Universalität der poetischen Sprache. Das Gedicht vermittelt somit eine tiefe Verehrung für die poetische Tätigkeit und ihre transformative Kraft. Es zeigt, wie der Dichter durch seine Kunst nicht nur sich selbst, sondern auch die Welt heilen kann, indem er die universellen Erfahrungen von Schmerz und Heilung in seiner Sprache einfängt und ausdrückt.

Schlüsselwörter

stöhnen alle worte andres geblichen zuweilen selbstgefundner klang

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Sichel Wort! Du großer Rechen!
Hyperbel
Mit einem Stöhnen alle Schmerzen stöhnen
Metapher
Du große Sichel Wort! Du großer Rechen!
Parallelismus
Mit einem Stöhnen alle Schmerzen stöhnen / Samt ihren Ahnen, ihren späten Söhnen!
Personifikation
Du große Sichel Wort! Du großer Rechen!