Dich ahnte meine Seele lange

Adolf Friedrich Graf von Schack

1815

Dich ahnte meine Seele lange, Bevor mein Auge dich gesehn, Und selig-süße Schauer bange Fühlt′ ich durch all mein Wesen gehn.

Ich sog von unbekannten Blüten Den Duft, der mir entgegenquoll, Und nie erblickte Sterne glühten Zu Häupten mir geheimnisvoll.

Doch immer sah ich deinen Schatten Nur trübe wie durch Nebelflor; Dein Antlitz schien daraus in matten, Gebrochnen Zügen nur hervor.

Und als der Schleier nun gesunken, Der dich vor mir verhüllt - vergieb, Wenn lang ich sprachlos und wie trunken, Betäubt von all dem Glücke blieb!

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Interpretation

Das Gedicht "Dich ahnte meine Seele lange" von Adolf Friedrich Graf von Schack handelt von der Sehnsucht und der Vorfreude auf eine geliebte Person, die der Sprecher schon lange erahnt hat, bevor er sie tatsächlich gesehen hat. Die Seele des Sprechers spürt eine tiefe Verbindung zu dieser Person, noch bevor sie sich physisch begegnen. Die Natur dient als Symbol für die Schönheit und das Geheimnisvolle dieser Liebe. Der Sprecher atmet den Duft unbekannter Blüten und sieht geheimnisvolle Sterne, die ihm den Weg zu seiner Geliebten weisen. Diese Bilder vermitteln ein Gefühl von Erhabenheit und Transzendenz, das die Liebe des Sprechers durchdringt. Als der Sprecher seine Geliebte schließlich erblickt, ist er überwältigt von Glück und Emotionen. Der Schleier, der sie bisher verhüllt hat, fällt, und der Sprecher ist sprachlos und benommen von der Intensität seiner Gefühle. Das Gedicht endet mit einem Appell an die Geliebte, ihm zu vergeben, dass er von der Wucht des Glücks überwältigt ist und nicht in der Lage ist, seine Emotionen in Worte zu fassen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildsprache
Betäubt von all dem Glücke blieb
Hyperbel
Und selig-süße Schauer bange
Metapher
Wenn lang ich sprachlos und wie trunken
Personifikation
Dich ahnte meine Seele lange