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Diabolo

Von

Ganz allein auf dem abendstillen Platze
Vor dem alten, finstergroßen Dome
Spielt ein Mädelchen mit fliegendem Blondhaar
Diabolo:

Auf und ab mit lustigem Wechselschlage
Schwingt sie flink die Stäbchen, als ob sie schlüge
Einen flotten Tanztakt allem Leben
Weit ringsum!

Und derweil ich so ihr Spiel belausche,
Merk‘ ich mehr und mehr: die muntere Kleine
Ist das Leben selbst, das keck und kindlich
Dirigiert..

Immer spielt‘ es schon so, das wilde Mägdlein,
Immer so im hastigen Zweischritt-Takte
Dicht am alten, finstergroßen Dome
Diabolo.

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Gedicht: Diabolo von Hanns von Gumppenberg

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Diabolo“ von Hanns von Gumppenberg entfaltet auf scheinbar simpler Ebene eine tiefgründige Allegorie über das Wesen des Lebens. Die Ausgangssituation, ein Mädchen, das auf einem abendstillen Platz vor einem alten Dom mit dem Diabolo spielt, dient als Rahmen für eine Betrachtung der Natur des Lebens als ein dynamisches, unaufhörliches Spiel. Die zentrale Metapher des Diabolo, der im stetigen Auf und Ab zwischen den Stäbchen hin und her fliegt, verkörpert die Zyklen, die Unbeständigkeit und die ständige Bewegung, die das Leben kennzeichnen.

Die Verwendung des Bildes des „Mädelchens mit fliegendem Blondhaar“ unterstreicht die kindliche, unbeschwerte Natur des Lebens, das „keck und kindlich“ dirigiert. Das Mädchen wird zur Personifizierung des Lebens selbst, das in unermüdlichem Wechselspiel mit dem Diabolo agiert und dabei einen „flotten Tanztakt“ vorgibt. Diese spielerische, scheinbar leichte Darstellung des Lebens kontrastiert mit der Präsenz des „alten, finstergroßen Domes“. Dieser Dom, als Symbol für die Vergangenheit, Tradition oder sogar das Überirdische, bildet einen Kontrast zum dynamischen Spiel des Mädchens.

Die Wiederholung von Schlüsselworten wie „Diabolo“ und die Erwähnung des Doms am Anfang und Ende des Gedichts erzeugen einen kreisförmigen Aufbau, der die ewige Wiederholung und den Kreislauf des Lebens betont. Das Gedicht suggeriert, dass das Leben immer so war und immer so sein wird: ein unaufhörliches Spiel, das sich in einem vorgegebenen Rahmen abspielt. Das „Mädelchen“, das Leben, scheint unaufhörlich zu spielen, ohne sich von den Umständen zu beirren.

Die einfache Sprache und die scheinbar banale Szenerie täuschen über die philosophische Tiefe des Gedichts hinweg. Gumppenberg nutzt das Bild des Diabolo-Spiels, um über die Unaufhörlichkeit, die Freude und die möglicherweise unbekümmerte Natur des Lebens nachzudenken. Der Betrachter, der das Spiel „belauscht“, wird selbst zum Beobachter und Reflektierer des Lebens, das sich ständig im Wandel befindet. Die spielerische Leichtigkeit des Gedichts lädt dazu ein, über die wesentlichen Fragen des Daseins nachzudenken, ohne dabei in Schwere zu verfallen.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.