Deutung
1767Was ist die Liebe? Les′t es, zart geschrieben, Im Laut des Worts: es ist ein innig Leben; Und Leben ein im Leib gefeßelt Streben, Ein sinnlich Bild von ewig geist′gen Trieben.
Der Mensch nur liebt: doch ist sein erstes Lieben Der Lieblichkeit des Leibes hingegeben. Will sich, als Leibes Gast, der Geist erheben, So wird von Willkür die Begier vertrieben.
Doch unauflöslich Leib und Geist verweben Ist das Geheimniß aller Lust und Liebe; Leiblich und geistig wird sie Quell des Lebens.
Im Manne waltet die Gewalt des Strebens; Des Weibes Füll′ umhüllet stille Triebe: Wo Liebe lebt und labt, ist lieb das Leben.
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Interpretation
Das Gedicht "Deutung" von August Wilhelm von Schlegel erforscht die Natur der Liebe und ihre Verbindung zu Körper und Geist. Es beginnt mit der Frage, was Liebe ist, und antwortet, dass sie ein inniges Leben ist, ein körperliches Streben nach geistigen Trieben. Die Liebe wird als ein sinnliches Bild ewiger geistiger Impulse dargestellt, wobei der Mensch als einziges Wesen fähig ist zu lieben. Das Gedicht betont die anfängliche Hingabe an die Lieblichkeit des Körpers, doch der Geist strebt danach, sich als Gast im Körper zu erheben und die Begier durch Willkür zu vertreiben. Die unauflösliche Verflechtung von Körper und Geist wird als das Geheimnis aller Lust und Liebe beschrieben, wobei die Liebe sowohl körperlich als auch geistig als Quelle des Lebens fungiert. Im letzten Vers wird die Rolle von Mann und Frau in der Liebe thematisiert. Der Mann wird als derjenige dargestellt, der die Macht des Strebens ausübt, während die Frau mit stillen Trieben gefüllt ist. Die Liebe wird als etwas Lebendiges und Nährendes beschrieben, das das Leben liebenswert macht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Laut des Worts
- Hyperbel
- ein im Leib gefeßelt Streben
- Kontrast
- Im Manne waltet die Gewalt des Strebens; Des Weibes Füll′ umhüllet stille Triebe
- Metapher
- Leben ein im Leib gefeßelt Streben
- Personifikation
- Des Weibes Füll′ umhüllet stille Triebe