Deutschlands künftiger Retter

Joseph von Eichendorff

1857

1857

Kein Zauberwort kann mehr den Ausspruch mildern, Das sündengraue Alte ist gerichtet, Da Gott nun selbst die Weltgeschichte dichtet Und auf den Höhen zürnend Engel schildern:

Die Babel bricht mit ihren Götzenbildern, Ein junger Held, der mit dem Schwerte schlichtet, Daß Stein auf Stein, ein Trümmerhauf, geschichtet, Die Welt vergeht in schauerndem Verwildern.

Doch eins, das alle hastig übersehen, Das Kreuz, bleibt auf den Trümmern einsam stehen; Da sinkt ins Knie der Held, ein arbeitsmüder,

Und vor dem Bild, das alle will versöhnen, Legt er dereinst die blutgen Waffen nieder Und weist den neuen Bau den freien Söhnen.

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Interpretation

Das Gedicht "Deutschlands künftiger Retter" von Joseph von Eichendorff handelt von einer prophetischen Vision einer bevorstehenden Umwälzung und Neugründung der Welt. Der Dichter beschreibt, wie Gott selbst die Geschichte schreibt und die Engel auf den Höhen zürnend die Zukunft schildern. Die alte, sündige Welt wird gerichtet und geht in Trümmern unter. Ein junger Held erscheint, der mit dem Schwert die Ordnung wiederherstellt, doch die Welt verfällt in ein schauerliches Verwildern. Inmitten des Chaos bleibt das Kreuz als einziges Symbol der Hoffnung auf den Trümmern stehen. Der erschöpfte Held sinkt vor dem Kreuz auf die Knie und legt schließlich seine blutigen Waffen nieder. Er überlässt den freien Söhnen den Auftrag, einen neuen, besseren Bau auf den Grundfesten des Glaubens zu errichten. Das Gedicht vermittelt eine Mischung aus düsterer Ahnung einer bevorstehenden Katastrophe und der Zuversicht auf eine letztendliche Erlösung durch den christlichen Glauben.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildsprache
Legt er dereinst die blutgen Waffen nieder
Metapher
weist den neuen Bau den freien Söhnen
Personifikation
Da sinkt ins Knie der Held, ein arbeitsmüder