Deutschlands Beruf
1834Soll’s denn ewig von Gewittern Am umwölkten Himmel braun? Soll denn stets der Boden zittern, Drauf wir unsre Hütten baun? Oder wollt ihr mit den Waffen Endlich Rast und Frieden schaffen?
Daß die Welt nicht mehr, in Sorgen Um ihr leichterschüttert Glück, Täglich bebe vor dem Morgen, Gebt ihr ihren Kern zurück! Macht Europas Herz gesunden, Und das Heil ist euch gefunden.
Einen Hort geht aufzurichten, Einen Hort im deutschen Land! Sucht zum Lenken und zum Schlichten Eine schwerterprobte Hand, Die den güldnen Apfel halte Und des Reichs in Treuen walte.
Sein gefürstet Banner trage Jeder Stamm, wie er’s erkor, Aber über alle rage Stolzentfaltet eins empor, Hoch, im Schmuck der Eichenreiser, Wall’ es vor dem deutschen Kaiser.
Wenn die heil’ge Krone wieder Eine hohe Scheitel schmückt, Aus dem Haupt durch alle Glieder Stark ein ein’ger Wille zückt, Wird im Völkerrat vor allen Deutscher Spruch aufs neu’ erschallen.
Dann nicht mehr zum Weltgesetze Wird die Laun’ am Seinestrom, Dann vergeblich seine Netze Wirft der Fischer aus in Rom, Länger nicht mit seinen Horden Schreckt uns der Koloß im Norden.
Macht und Freiheit, Recht und Sitte, Klarer Geist und scharfer Hieb, Zügeln dann aus starker Mitte Jeder Selbstsucht wilden Trieb, Und es mag am deutschen Wesen Einmal noch die Welt genesen.
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Interpretation
Das Gedicht "Deutschlands Beruf" von Emmanuel Geibel ist ein patriotisches Werk, das die Rolle Deutschlands in Europa und der Welt thematisiert. Es ruft dazu auf, dass Deutschland eine führende Position in Europa einnehmen soll, um Frieden und Stabilität zu gewährleisten. Der Dichter verwendet dabei starke Bilder und Metaphern, um seine Botschaft zu vermitteln. In den ersten Strophen beschreibt Geibel die Unruhe und Unsicherheit in der Welt und stellt die Frage, ob Deutschland eine Rolle bei der Schaffung von Frieden und Ruhe spielen soll. Er fordert dazu auf, der Welt ihren "Kern" zurückzugeben und Europas Herz gesund zu machen. Dies kann als Aufruf verstanden werden, dass Deutschland eine stabilisierende Kraft in Europa sein soll. Die folgenden Strophen beschreiben die Vision eines starken und vereinten Deutschlands unter der Führung eines Kaisers. Der Dichter imaginiert eine Zeit, in der Deutschland eine führende Rolle in Europa spielt und seine Werte wie Macht, Freiheit, Recht und Sitte in die Welt hinausträgt. Er sieht Deutschland als Heiler der Welt, der durch sein Wesen und seine Kultur zur Genesung der Welt beitragen kann.
Schlüsselwörter
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Stilmittel
- Metapher
- Am deutschen Wesen einmal noch die Welt genesen
- Personifikation
- Daß die Welt nicht mehr, in Sorgen um ihr leichterschüttert Glück, täglich bebe vor dem Morgen