Deutsches Volkslied
1890Es braust ein Ruf wie Donnerhall, Daß ich so traurig bin. Und Friede, Friede überall, Das kommt mir nicht aus dem Sinn.
Kaiser Rotbart im Kyffhäuser saß An der Wand entlang, an der Wand. Wer nie sein Brot mit Tränen aß, Bist du, mein Bayerland!
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Ich rate dir gut, mein Sohn! Urahne, Großmutter, Mutter und Kind Vom Roßbachbataillon.
O selig, o selig, ein Kind noch zu sein, Von der Wiege bis zur Bahr′! Mariechen saß auf einem Stein, Sie kämmte ihr goldenes Haar.
Sie kämmt′s mit goldnem Kamme, Wie Zieten aus dem Busch. Sonne, du klagende Flamme: Husch! Husch!
Der liebe Gott geht durch den Wald, Von der Etsch bis an den Belt, Daß lustig es zum Himmel schallt: Fahr wohl, du schöne Welt!
Der schnellste Reiter ist der Tod, Mit Juppheidi und Juppheida. Stolz weht die Flagge Schwarzweißrot. Hurra, Germania!
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Interpretation
Das Gedicht "Deutsches Volkslied" von Klabund ist eine vielschichtige Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte, Kultur und Identität. Es verwebt verschiedene Motive und Referenzen zu einem komplexen Ganzen, das sowohl die Schönheit als auch die Tragik des deutschen Erbes widerspiegelt. Das Gedicht beginnt mit einem Aufruf, der wie Donnerhall braust, was auf eine mächtige, möglicherweise bedrohliche Kraft hindeutet. Der Wunsch nach Frieden, der dem Sprecher nicht aus dem Sinn geht, kontrastiert mit diesem Ruf und deutet auf eine Sehnsucht nach Ruhe und Harmonie inmitten von Turbulenzen hin. Die Erwähnung von Kaiser Rotbart im Kyffhäuser, einer legendären Figur des deutschen Mittelalters, verankert das Gedicht in der historischen Tiefe des deutschen Volkes. Die folgenden Strophen bringen weitere Elemente der deutschen Kultur und Geschichte ein. Die Anspielung auf den Erlkönig und die Frage "Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?" verweisen auf Goethes berühmtes Gedicht und evozieren eine düstere, mystische Atmosphäre. Die Erwähnung des Roßbachbataillons, einer militärischen Einheit aus dem 18. Jahrhundert, und die Anspielung auf Zieten, einen preußischen Kavallerieoffizier, verweisen auf die militärische Geschichte Deutschlands. Das Gedicht endet mit einem Ausblick auf die Zukunft, der sowohl hoffnungsvoll als auch melancholisch ist. Die Vorstellung, dass Gott durch den Wald geht und ein fröhliches Lied zum Himmel schallt, deutet auf eine spirituelle Dimension hin. Gleichzeitig erinnert die Erwähnung des Todes als schnellstem Reiter an die Vergänglichkeit des Lebens. Die letzten Zeilen, in denen die schwarz-weiß-rote Flagge stolz weht und "Hurra, Germania!" gerufen wird, rufen nach nationalem Stolz und Einheit, aber auch nach Vorsicht und Reflexion über die Bedeutung dieser Symbole in der deutschen Geschichte.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Es braust ein Ruf wie Donnerhall
- Anapher
- Friede, Friede überall
- Apostrophe
- Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
- Bildlichkeit
- Sie kämmte ihr goldenes Haar
- Hyperbel
- Der schnellste Reiter ist der Tod
- Kontrast
- Wer nie sein Brot mit Tränen aßt, Bist du, mein Bayerland!
- Metapher
- Kaiser Rotbart im Kyffhäuser saß
- Personifikation
- Der liebe Gott geht durch den Wald
- Rhythmus
- Mit Juppheidi und Juppheida
- Symbolik
- Stolz weht die Flagge Schwarzweißrot
- Wiederholung
- An der Wand entlang, an der Wand