Deutsches Lied
1790Hat tändelnd Glockenspiel, hat Zithertönen Mein Ohr in lust’ger Weise leicht umklungen? »’s ist fränkisch Lied, am Seinestrand gesungen! Dem leichten Sinne gnügt ein leichtes Spiel, Ein ernsteres Gemüth sucht sich ein würd’ger Ziel!«
Was klingt so hold die Alpenhöhn herüber? O süße Lust, o himmlisch schöne Lieder! »’s ist welscher Sang! – Wie Flöten tönt er wieder; Die Sinn’ umwogt ein Heer von Harmonie: Das Ohr entzückt es wohl, das Herz befriedigt’s nie.«
Was brauset durch den Eichenhain daher, Mit Donnerskraft und tobend wie das Meer? – »’s ist deutsches Lied, machtvoll und inhaltschwer!« Was stürmt’s so wild? »’s will zu den Sternen dringen; Was keines wagt, das wagen seine Schwingen.«
»Es reißt den Geist auf schwindelnd steile Höhn, Am Urquell alles Lichts sich zu entzünden; Doch auch das Tiefste weiß es zu ergründen, Und aus dem wilden Kampf der freien Töne Hebt sich verklärt im reinen Glanz das Schöne.«
»Und Wohllaut wohnt in ihm und Himmelsweihe, Zum Tempel wird die Brust, ein heilig Sehnen Ergreift den Geist und lockt die Lust der Thränen: Sein Flügel rauschet über Grab und Zeit, Ein Ziel glänzt sonnenhell, es heißt: Unsterblichkeit!«
So nimm mich hin und meine ganze Seele! Mein glühend Herz, mein Leben weih’ ich dir; Ein heitrer Strahl des Himmels bist du mir. Ja, deutsches Lied, du mußt den Preis erringen, Dich schuf das Herz: – Lied nur kann gelingen.
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Interpretation
Das Gedicht "Deutsches Lied" von Joseph Christian von Zedlitz ist eine leidenschaftliche Hommage an die deutsche Musik und ihre einzigartige Kraft. Der Sprecher vergleicht verschiedene Musikstile und findet schließlich im deutschen Lied den Inbegriff musikalischer Vollkommenheit. Er beschreibt, wie fränkische und welsche Lieder zwar angenehm, aber letztlich unzureichend sind, um die tieferen Sehnsüchte der Seele zu befriedigen. Das deutsche Lied hingegen wird als mächtig, bedeutungsschwer und voller kreativer Energie dargestellt. Im zweiten Teil des Gedichts preist der Sprecher die erhabenen Qualitäten des deutschen Liedes. Er betont seine Fähigkeit, den Geist zu erheben, das Tiefste zu ergründen und aus dem Chaos der Töne Schönheit zu schaffen. Das deutsche Lied wird als göttlich inspiriert dargestellt, das die Brust zum Tempel macht und heilige Sehnsucht hervorruft. Es überwindet die Grenzen von Zeit und Tod und strebt nach Unsterblichkeit. Im letzten Strophenpaar gelobt der Sprecher dem deutschen Lied seine ganze Seele und sein Leben. Er sieht im deutschen Lied einen himmlischen Strahl und fordert es auf, den Preis zu erringen. Das Gedicht endet mit der Überzeugung, dass nur ein Lied, das vom Herzen geschaffen wurde, wirklich gelingen kann. Insgesamt ist "Deutsches Lied" eine leidenschaftliche Liebeserklärung an die deutsche Musik und ihre einzigartige Kraft, die tiefsten menschlichen Emotionen auszudrücken und zu erheben.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- »'s ist deutsches Lied, machtvoll und inhaltschwer!«
- Bildsprache
- Was brauset durch den Eichenhain daher, Mit Donnerskraft und tobend wie das Meer?
- Hyperbel
- Ein Ziel glänzt sonnenhell, es heißt: Unsterblichkeit!
- Metapher
- Zum Tempel wird die Brust
- Personifikation
- Sein Flügel rauschet über Grab und Zeit
- Rhetorische Frage
- Was brauset durch den Eichenhain daher, Mit Donnerskraft und tobend wie das Meer?