Deutsches Gebet

Martin Greif

1839

Herr , der Abend macht uns bange , der allmählich uns beschleicht , deine Stimme schweigt schon lange und die Schmach hat uns erreicht .

Krieg und Zwietracht allerwege hat uns tief in Not gebracht , daß der Sturm sich endlich lege , liegt allein in deiner Macht .

Laß die Schmach nicht ewig dauern , wir verzagen schon zu sehr , daß die Völker nimmer trauern , einen Helden schicke her .

Send ihn aus als Friedensboten , seiner Ankunft harrt die Welt , mitten unter die Bedrohten stelle sein gefürchtet Zelt .

Salb ihm gnädig Haupt und Hände , Brust und Arm ihm wappne du , daß er herrlich es vollende , gib ihm deinen Schreck dazu .

Wirke du durch seine Werke , du in deiner Glorie Licht , Gib ihm du der Engel Stärke , daß er alle Fesseln bricht .

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Illustration zu Deutsches Gebet

Interpretation

Das Gedicht "Deutsches Gebet" von Martin Greif ist ein leidenschaftliches und verzweifeltes Gebet um Erlösung und Frieden. Der Sprecher fleht den Herrn an, in einer Zeit des Krieges und der Zwietracht einzugreifen und die Schmach zu beenden, die das Volk erlitten hat. Die Verzweiflung und die Angst vor dem nahenden Abend symbolisieren die Hoffnungslosigkeit und die Not, in der sich das Volk befindet. Das Gedicht drückt den Wunsch nach einem Helden aus, der als Friedensbote gesandt wird, um die Völker zu trösten und die Bedrohten zu schützen. Der Sprecher bittet den Herrn, diesen Helden zu salben und zu wappnen, damit er seine Aufgabe vollbringen und alle Fesseln brechen kann. Die Anrufung des Herrn als "du in deiner Glorie Licht" und die Bitte um die Stärke der Engel unterstreichen die göttliche Natur der erhofften Intervention. Die Struktur des Gedichts mit seinen vier Strophen und dem regelmäßigen Reimschema verleiht ihm eine rhythmische und feierliche Qualität. Die Sprache ist bildhaft und metaphorisch, was die emotionale Intensität des Gebets verstärkt. Insgesamt vermittelt das Gedicht einen tiefen Glauben an die Macht des Herrn und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft durch göttliche Intervention.

Schlüsselwörter

macht schmach gib herr abend bange allmählich beschleicht

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Stilmittel

Alliteration
daß der Sturm sich endlich lege
Anapher
Herr, der Abend macht uns bange, der allmählich uns beschleicht, deine Stimme schweigt schon lange und die Schmach hat uns erreicht.
Apostrophe
Herr, der Abend macht uns bange
Hyperbel
daß die Völker nimmer trauern
Metapher
daß er alle Fesseln bricht
Personifikation
Herr, der Abend macht uns bange, der allmählich uns beschleicht
Symbolik
Send ihn aus als Friedensboten