Deutsche Treue

Friedrich von Schiller

1805

Um den Zepter Germaniens stritt mit Ludwig dem Bayer Friedrich aus Habsburgs Stamm, beide gerufen zum Thron; Aber den Austrier führt, den Jüngling, das neidische Kriegsglück In die Fesseln des Feindes, der ihn im Kampfe bezwingt. Mit dem Throne kauft er sich los, sein Wort muss er geben, Für den Sieger das Schwert gegen die Freunde zu ziehn; Aber was er in Banden gelobt kann er frei nicht erfüllen; Siehe, da stellt er aufs neu willig den Banden sich dar. Tief gerührt umhalst ihn der Feind, sie wechseln von nun an, Wie der Freund mit dem Freund, traulich die Becher des Mahls, Arm in Arme schlummern auf einem Lager die Fürsten, Da noch blutiger Hass grimmig die Völker zerfleischt. Gegen Friedrichs Heer muss Ludwig ziehen. Zum Wächter Bayerns lässt er den Feind, den er bestreitet, zurück. “Wahrlich! So ist′s! Es ist wirklich so! Man hat mir′s geschrieben.” Rief der Pontifex aus, als er die Kunde vernahm.

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Illustration zu Deutsche Treue

Interpretation

Das Gedicht "Deutsche Treue" von Friedrich von Schiller erzählt die Geschichte von Friedrich aus dem Hause Habsburg und Ludwig dem Bayer, die beide um den deutschen Thron kämpfen. Friedrich wird im Kampf gefangen genommen und muss sich gegen seine Freunde wenden, um seine Freiheit zu erlangen. Doch in Freiheit kann er dieses Versprechen nicht erfüllen und stellt sich erneut in die Hände des Feindes, was diesen tief berührt. Die beiden Fürsten teilen fortan eine tiefe Freundschaft, obwohl ihre Völker im blutigen Hass aufeinander liegen. Schiller preist in diesem Gedicht die Tugend der Treue, die Friedrich an den Tag legt. Trotz der Gefangenschaft und der Notwendigkeit, ein Versprechen zu brechen, bleibt Friedrich seinen Prinzipien treu und stellt sich erneut in die Hände des Feindes. Diese Handlung beeindruckt den Feind so sehr, dass aus ihnen Freunde werden. Schiller verwendet dieses historische Beispiel, um die Idee der Treue als eine der höchsten Tugenden zu vermitteln, die selbst Feinde zu Freunden machen kann. Das Gedicht endet mit der Reaktion des Papstes auf die Nachricht von der Freundschaft zwischen Friedrich und Ludwig. Der Pontifex ist überrascht und erstaunt über die Entwicklung, was die unerwartete Natur dieser Freundschaft unterstreicht. Schiller nutzt diese Reaktion, um die außergewöhnliche Natur der Treue zu betonen, die selbst den höchsten Würdenträger in Staunen versetzt.

Schlüsselwörter

ludwig muss banden feind freund zepter germaniens stritt

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Stilmittel

Bildlichkeit
sie wechseln von nun an, Wie der Freund mit dem Freund, traulich die Becher des Mahls
Ironie
Wahrlich! So ist's! Es ist wirklich so! Man hat mir's geschrieben.
Kontrast
Arm in Arme schlummern auf einem Lager die Fürsten, Da noch blutiger Hass grimmig die Völker zerfleischt
Metapher
Um den Zepter Germaniens stritt mit Ludwig dem Bayer
Personifikation
das neidische Kriegsglück