Deutsche Sclaven

Adolf Glaßbrenner

1844

Waldesgrün bekleidet strecken Stolz ihr Haupt, empor zum Himmel Jene riesig hohen Berge! Schaun verächtlich auf die Zwerge, Auf das ämsige Gewimmel Dort in Dörfern und in Flecken.

Denn sie bieten reichen Segen An Metallen, Holz und Steinen, Bieten Flüsse, Felder, Früchte, Und doch sehn sie das Gezüchte Jammern, hungern, betteln, weinen Drunten auf den blüh’nden Wegen.

Mehr als Thau auf goldnen Auen Blitzen hier der Armuth Thränen, Und inmitten üpp’ger Thäler, Nur zur Wollust ihrer Quäler, Nackte Menschen unter Thränen Gier an troknem Brote kauen.

Soll ich nun zu schildern trachten, Wie in Weh mein Herz geschmolzen Euer elend, elend Leben? Nein, mag mir es Gott vergeben! Wie die Riesen dort, die stolzen, Sclaven! muß ich euch verachten.

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Illustration zu Deutsche Sclaven

Interpretation

Das Gedicht "Deutsche Sclaven" von Adolf Glaßbrenner beschreibt die Kontraste zwischen der üppigen Natur und dem Elend der Menschen. Die hohen Berge, stolz und majestätisch, blicken verächtlich auf die kleinen Menschen hinab, die in Dörfern und Städten leben. Trotz der reichen Gaben der Natur, wie Metallen, Holz, Steinen, Flüssen, Feldern und Früchten, herrscht unter den Menschen Armut und Not. Das Gedicht zeichnet ein Bild von Hunger, Elend und Tränen, die über die goldenen Auen glitzern, und nackte Menschen, die inmitten üppiger Täler nach trockenem Brot gieren. Die zweite Strophe vertieft das Bild des Elends, indem sie die Armut mit Tau auf goldenen Auen vergleicht. Die Menschen jammern, hungern und betteln, während die Natur üppig und fruchtbar ist. Das Gedicht betont, dass selbst in den fruchtbarsten Tälern die Menschen unter Tränen nach Nahrung suchen, was die Ungerechtigkeit und das Ungleichgewicht in der Gesellschaft hervorhebt. Im letzten Teil des Gedichts drückt der Sprecher seine tiefe Trauer und sein Mitleid für das elende Leben der Menschen aus. Er fragt sich, ob er ihre Not schildern soll, aber letztendlich entscheidet er sich dagegen, da er die Menschen verachtet. Die Verachtung richtet sich nicht nur gegen die Unterdrücker, sondern auch gegen die Unterdrückten selbst, die als Sklaven bezeichnet werden. Das Gedicht endet mit einem starken Ausdruck der Verachtung, der die Hoffnungslosigkeit und die Resignation des Sprechers unterstreicht.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Denn sie bieten reichen Segen
Ausruf
Nein, mag mir es Gott vergeben!
Bildsprache
Mehr als Thau auf goldnen Auen
Direkte Ansprache
Euer elend, elend Leben?
Hyperbel
Aufs ämsige Gewimmel
Kontrast
Und doch sehn sie das Gezüchte Jammern, hungern, betteln, weinen
Metapher
Jene riesig hohen Berge
Parallelismus
Nackte Menschen unter Thränen Gier an troknem Brote kauen
Personifikation
Waldesgrün bekleidet strecken Stolz ihr Haupt, empor zum Himmel
Rhetorische Frage
Soll ich nun zu schildern trachten
Schlussfolgerung
Sclaven! muß ich euch verachten
Symbolik
Blitzen hier der Armuth Thränen
Vergleich
Wie die Riesen dort, die stolzen