Des Schiffers Braut am Meere
1781Es braust der Sturm - mit schaumbedeckten Wellen Erhebt sich rauschend das erzürnte Meer, Und rascher Blitze Feuerstrahlen hellen Der Dämmrung Nebel grausend um mich her.
Dort in der Hütte mir ein Obdach wählen, Möcht′ ich so gern, doch ach, der nasse Blick Schaut um aufs neu das bange Herz zu quälen, Nach dem empörten Element zurück.
Und kann die Schauerszene nicht verlassen, Die das Gemüth mit schwarzer Ahndung füllt, Denn des Geliebten fernes Schiff umfassen Die Wellen tobend, rings von Graun umhüllt.
Und doppelten Gefahren Preis gegeben, Dem Drohn des Himmels, und der Wellen Wuth, Geht jetzt vielleicht sein ewig theures Leben Vernichtet unter in der tiefen Fluth.
Entsetzen fasst mich - Nebelschleier schwanken Wie düstrer Flor vor meinem Angesicht. Mein Herz steht still - es schwinden die Gedanken, Ich möchte weinen - ach und kann es nicht!
Ihr Mächte dort in jenen fernen Höhen, Die Ihr den Sturm zu uns herab gesandt, O lasst sein Schiff nicht scheiternd untergehen, Zeigt Rettung bietend ihm ein sichres Land.
Und sendet in die drohenden Gefahren Der Hoffnung lichten, morgenrothen Strahl, Lasst ihn den Muth im Busen treu bewahren Und lindert tröstend der Erwartung Qual.
Doch ist des Todes Loos ihm schon gefallen, So löscht auch mir des Daseyns goldnes Licht. Mit ihm sinkt meine Welt, auch ich will mit ihm fallen, Denn ohne ihn reizt mich das Leben nicht.
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Interpretation
Das Gedicht "Des Schiffers Braut am Meere" von Charlotte von Ahlefeld handelt von einer verzweifelten Frau, die am Meer auf ihr Schiff wartet, das von einem Sturm heimgesucht wird. Die stürmische See und die Blitze verstärken ihre Angst und Sorge um ihren Geliebten. Sie kann nicht in die Hütte gehen, um Schutz zu suchen, da sie das Schiff nicht aus den Augen lassen möchte, das von den tobenden Wellen umgeben ist. Die Frau fürchtet um das Leben ihres Liebsten, das von den Gefahren des Sturms und der Wellen bedroht ist. Sie ist von Entsetzen ergriffen und kann nicht weinen, obwohl sie es gerne möchte. In ihrer Verzweiflung fleht sie die Mächte am Himmel an, das Schiff nicht untergehen zu lassen und Rettung zu bringen. Sie hofft auf einen lichten Strahl der Hoffnung, der den Mut ihres Liebsten stärkt und ihre Qual der Erwartung lindert. Sollte der Tod ihren Geliebten ereilt haben, wünscht sie sich selbst den Tod, da ihr Leben ohne ihn keinen Sinn mehr hat. Die Welt der Frau bricht zusammen, und sie ist bereit, mit ihm zu fallen. Das Gedicht vermittelt die tiefe Liebe und Verbundenheit der Frau zu ihrem Geliebten sowie die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit in einer ausweglosen Situation.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Des Schiffers Braut am Meere
- Anapher
- Und kann die Schauerszene nicht verlassen / Die das Gemüth mit schwarzer Ahndung füllt
- Bildsprache
- Dort in der Hütte mir ein Obdach wählen
- Enjambement
- Entsetzen fasst mich - Nebelschleier schwanken / Wie düsterer Flor vor meinem Angesicht.
- Hyperbel
- Mit ihm sinkt meine Welt
- Kontrast
- Denn des Geliebten fernes Schiff umfassen / Die Wellen tobend, rings von Graun umhüllt.
- Metapher
- Und rascher Blitze Feuerstrahlen hellen / Der Dämmrung Nebel grausend um mich her.
- Personifikation
- Das erzürnte Meer
- Rhetorische Frage
- Ach und kann es nicht!