Des Mädchens Klage

Friedrich von Schiller

1799

Der Eichwald brauset, die Wolken ziehn, Das Mägdlein sitzet an Ufers Grün, Es bricht sich die Welle mit Macht, mit Macht, Und sie seufzt hinaus in die finstre Nacht, Das Auge vom Weinen getrübet:

“Das Herz ist gestorben, die Welt ist leer, Und weiter gibt sie dem Wunsche nichts mehr. Du Heilige, rufe dein Kind zurück, Ich habe genossen das irdische Glück, Ich habe gelebt und geliebet!”

Es rinnet der Tränen vergeblicher Lauf, Die Klage, sie wecket die Toten nicht auf; Doch nenne, was tröstet und heilet die Brust Nach der süßen Liebe verschwundener Lust, Ich , die Himmlische, will′s nicht versagen.

“Lass rinnen der Tränen vergeblichen Lauf, Es wecke die Klage den Toten nicht auf! Das süßeste Glück für die traurende Brust Nach der schönen Liebe verschwundener Lust Sind der Liebe Schmerzen und Klagen.

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Illustration zu Des Mädchens Klage

Interpretation

Das Gedicht "Des Mädchens Klage" von Friedrich von Schiller beschreibt die tiefe Trauer und Verzweiflung eines jungen Mädchens, das einen geliebten Menschen verloren hat. Die Naturkulisse des brausenden Eichwalds und der ziehenden Wolken spiegelt die innere Unruhe und den Schmerz des Mädchens wider. Sie sitzt am Ufer und seufzt in die finstere Nacht, während ihre Augen vom Weinen getrübt sind. Das Mädchen fühlt, dass ihr Herz gestorben ist und die Welt leer geworden ist, da sie das irdische Glück genossen und geliebt hat. In ihrer Verzweiflung ruft das Mädchen eine Heilige an und bittet sie, ihr Kind zurückzurufen. Sie scheint die Hoffnung auf Trost und Heilung verloren zu haben. Doch die Heilige antwortet ihr und fragt, was die trauernde Brust nach der verschwundenen Liebe trösten und heilen kann. Das Mädchen antwortet, dass für sie das süßeste Glück nach der schönen Liebe die Schmerzen und Klagen der Liebe selbst sind. Sie scheint in ihrer Trauer gefangen zu sein und keinen Ausweg zu sehen. Das Gedicht verdeutlicht die Intensität und die zerstörerische Kraft der Liebe und des Verlustes. Das Mädchen ist so tief in seiner Trauer verwurzelt, dass es den Schmerz als einzigen Trost empfindet. Schiller zeigt, wie der Verlust eines geliebten Menschen das Leben sinnlos und leer erscheinen lassen kann und wie schwer es ist, einen Weg aus der Verzweiflung zu finden. Das Gedicht ist ein eindringliches Zeugnis der menschlichen Erfahrung von Liebe, Verlust und Trauer.

Schlüsselwörter

liebe macht habe glück tränen lauf klage toten

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Stilmittel

Alliteration
"Tränen" und "Trost" in "Was tröstet und heilet die Brust"
Anapher
Die Wiederholung von "mit Macht" in "Es bricht sich die Welle mit Macht, mit Macht"
Apostrophe
"Du Heilige, rufe dein Kind zurück"
Hyperbel
"Die Klage, sie wecket die Toten nicht auf"
Kontrast
"Ich habe gelebt und geliebet" im Gegensatz zu "Das Herz ist gestorben, die Welt ist leer"
Metapher
"Das Herz ist gestorben, die Welt ist leer"
Paradox
"Sind der Liebe Schmerzen und Klagen" als süßestes Glück
Personifikation
"Es rinnet der Tränen vergeblicher Lauf"