Des Knappen Eifersucht
1860Was spornest du den Rappen? Wohin die blinde Flucht? Es narrt dich tollen Knappen Ein Traum der Eifersucht./
»Als Geier möcht ich steigen, Mein Flug ging′ hoch hinaus Und sollte dann sich neigen Zu meiner Gräfin Haus.
Ich schlüge mit dem Flügel An ihre Kammertür, Bis aufgesprengt der Riegel, Und bleich sie träte für.
Bei ihrem stolzen Nacken Wollt ich die Flechten fest Mit starkem Schnabel packen: Nun komm ins Geiernest!
Ich wollt aus scharfen Augen Ihr spähen seelenwärts. Fänd ich den Grund nicht taugen, Zerhackt ich ihr das Herz.
Und aber aus den Lüften Ich kreischend niederstieß′ Und wollte mich zerklüften Am Wetterfahnenspieß.«
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Interpretation
Das Gedicht "Des Knappen Eifersucht" von Bruno Wille schildert die innere Zerrissenheit eines eifersüchtigen Dieners, der von dunklen Fantasien getrieben wird. Die Eröffnungsfrage deutet auf eine unkontrollierte Flucht hin, die durch die "Eifersucht" befeuert wird. Der Knappe imaginiert sich als Geier, der hoch hinausfliegt, um dann zu seiner Herrin zu stürzen. Diese Transformation in ein Raubtier symbolisiert den Verlust von Vernunft und Anstand. In den folgenden Strophen entfaltet sich die gewalttätige Vision des Knappen. Er träumt davon, mit den Flügeln an die Tür zu klopfen, bis sie aufspringt, und dann die Gräfin zu packen. Die Absicht, sie in ein "Geiernest" zu zerren, verdeutlicht den Wunsch nach Kontrolle und Besitz. Die Vorstellung, in ihre Seele zu blicken und ihr Herz zu zerreißen, zeigt die Tiefe seiner Eifersucht und den Wunsch, sie zu verletzen oder zu zerstören. Das Gedicht endet mit einer drastischen Wendung: Der Knappe stürzt sich in die Wetterfahne, ein Symbol für Selbstzerstörung. Diese letzte Handlung kann als Ausdruck der Verzweiflung und der Unfähigkeit, mit seinen Gefühlen umzugehen, interpretiert werden. Das Gedicht zeichnet ein düsteres Bild von der zerstörerischen Kraft der Eifersucht und dem Absturz in den Wahnsinn.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Bis aufgesprengt der Riegel
- Anapher
- Ich wollt aus scharfen Augen / Ihr spähen seelenwärts
- Bildsprache
- Ich wollt aus scharfen Augen / Ihr spähen seelenwärts
- Hyperbel
- Mein Flug ging′ hoch hinaus
- Kontrast
- Und aber aus den Lüften / Ich kreischend niederstieß′
- Metapher
- Es narrt dich tollen Knappen / Ein Traum der Eifersucht
- Personifikation
- Als Geier möcht ich steigen
- Symbolik
- Mit starkem Schnabel packen
- Vergleich
- Als Geier möcht ich steigen
- Wiederholung
- Ich wollt aus scharfen Augen / Ihr spähen seelenwärts