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Des Jahrhunderts verlorene Kinder

Von

Ein freudlos erlösungheischend Geschlecht,
Des Jahrhunderts verlorene Kinder,
So taumeln wir hin! weß Schmerzen sind echt?
Weß Lust ist kein Rausch? wer kein Sünder? …
Selbstsucht treibt Alle, wilde Gier nach Gold,
Unersättlich Sinnengelüste,
Keinem Einzigen ist Mutter Erde hold –
Rings graut nur unendliche Wüste!
Chaotische Brandung wirr uns umtost;
Verzehrt von dämonischen Gluthen,
Von keinem Strahl ewigen Lichts umkost,
Müssen wir elend verbluten…

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Gedicht: Des Jahrhunderts verlorene Kinder von Wilhelm Arent

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Des Jahrhunderts verlorene Kinder“ von Wilhelm Arent entwirft ein düsteres Bild einer Epoche, die von Sinnentleerung, Egoismus und Hoffnungslosigkeit geprägt ist. Die einleitenden Zeilen zeichnen ein Bild von einer Generation, die nach Erlösung sucht, aber unfähig ist, sie zu finden. Die rhetorische Frage nach dem, was noch echt, rein oder frei von Sünde ist, offenbart eine tiefe Verunsicherung und den Verlust moralischer Werte. Das Gedicht spiegelt die Krisenerfahrung des späten 19. Jahrhunderts wider, in dem alte Sicherheiten zerbrachen und eine neue, oft als negativ empfundene, Moderne entstand.

Die Verse zeichnen ein Szenario, in dem Gier nach materiellem Besitz und unersättliche Sinnengelüste das gesellschaftliche Miteinander beherrschen. Die „Selbstsucht“ und die „wilde Gier nach Gold“ werden als Triebfedern des Handelns identifiziert. Die „Mutter Erde“, also die Quelle des Lebens und der Geborgenheit, wird als dem Einzelnen nicht mehr hold beschrieben, stattdessen herrscht eine „unendliche Wüste“. Diese Metapher unterstreicht die Leere und die Isolation, die das Individuum in der modernen Welt erfährt. Die Welt erscheint als trostlos und entfremdet, ein Zustand, in dem Hoffnung kaum noch Raum hat.

Das Bild der „chaotischen Brandung“ und der „dämonischen Gluthen“ verstärkt den Eindruck von Chaos und Zerstörung. Die Metaphern deuten auf innere Zerrissenheit und die Ohnmacht des Einzelnen gegenüber übermächtigen Kräften hin. Die fehlende Umarmung durch einen „Strahl ewigen Lichts“ unterstreicht den Verlust religiöser oder spiritueller Orientierung, der die Menschen in eine dunkle und trostlose Zukunft treibt. Die letzte Zeile „Müssen wir elend verbluten“ ist der grausame und endgültige Ausdruck der Verzweiflung, der die Hoffnungslosigkeit dieser Generation widerspiegelt.

Arents Gedicht ist somit ein eindrucksvolles Zeitdokument, das die melancholische Stimmung und die gesellschaftlichen Ängste des ausgehenden 19. Jahrhunderts widerspiegelt. Es ist eine Klage über den Verlust von Werten, Sinn und Orientierung in einer Welt, die von Egoismus und Zerstörung geprägt ist. Die Strophen bieten eine prägnante, aber eindringliche Kritik an der Moderne, und ermahnt zu Reflexion über das menschliche Dasein unter den Bedingungen des Umbruchs.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.