Des Baches Wiegenlied

Wilhelm Müller

1823

Gute Ruh, gute Ruh! Tu die Augen zu! Wandrer, du müder, du bist zu Haus. Die Treu′ ist hier, Sollst liegen bei mir, Bis das Meer will trinken die Bächlein aus.

Will betten dich kühl Auf weichem Pfühl In dem blauen kristallenen Kämmerlein. Heran, heran, Was wiegen kann, Woget und wieget den Knaben mir ein!

Wenn ein Jagdhorn schallt Aus dem grünen Wald, Will ich sausen und brausen wohl um dich her. Blickt nicht herein, Blaue Blümelein! Ihr macht meinem Schläfer die Träume so schwer.

Hinweg, hinweg Von dem Mühlensteg, Böses Mägdelein, daß ihn dein Schatten nicht weckt! Wirf mir herein Dein Tüchlein fein, Daß ich die Augen ihm halte bedeckt!

Gute Nacht, gute Nacht! Bis alles wacht, Schlaf aus deine Freude, schlaf aus dein Leid! Der Vollmond steigt, Der Nebel weicht, Und der Himmel da oben, wie ist er so weit!

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Illustration zu Des Baches Wiegenlied

Interpretation

Das Gedicht "Des Baches Wiegenlied" von Wilhelm Müller ist ein lyrisches Werk, das die beruhigende und schützende Natur eines Baches thematisiert. Der Bach spricht zu einem Wanderer und bietet ihm Ruhe und Geborgenheit. Die Wiederholung von "Gute Ruh" und "Gute Nacht" unterstreicht die friedliche und tröstliche Atmosphäre des Gedichts. In den ersten Strophen lädt der Bach den Wanderer ein, seine Augen zu schließen und sich auszuruhen, da er zu Hause ist. Der Bach verspricht, den Wanderer kühl auf einem weichen Bett in einem kristallenen Kämmerlein zu betten. Die liebevolle und fürsorgliche Sprache des Baches wird durch die Wiederholung von "Heran, heran" und "Woget und wieget" betont, was die schützende und nährende Rolle des Baches verdeutlicht. In den folgenden Strophen geht der Bach auf mögliche Störungen ein, wie das Geräusch eines Jagdhorns oder das Vorbeigehen eines Mädchens. Der Bach verspricht, den Wanderer vor diesen Störungen zu schützen und bittet die Blumen, den Wanderer nicht mit ihren Träumen zu belasten. Das Gedicht endet mit dem Wunsch nach einer erholsamen Nacht und der Betrachtung des weiten Himmels, was die unendliche Ruhe und Geborgenheit symbolisiert, die der Bach dem Wanderer bietet.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Gute Ruh, gute Ruh! / Gute Nacht, gute Nacht!
Apostroph
Blaue Blümelein! / Böses Mägdelein
Metapher
Des Baches Wiegenlied
Personifikation
Der Vollmond steigt, / Der Nebel weicht
Reimschema
AABB