Der Zwölf-Elf

Christian Morgenstern

1871

Der Zwölf-Elf hebt die linke Hand: Da schlägt es Mitternacht im Land.

Es lauscht der Teich mit offnem Mund Ganz leise heult der Schluchtenhund.

Die Dommel reckt sich auf im Rohr Der Moosfrosch lugt aus seinem Moor.

Der Schneck horcht auf in seinem Haus Desglelchen die Kartoffelmaus.

Das Irrlicht selbst macht Halt und Rast auf einem windgebrochnen Ast-

Sophie, die Maid, hat ein Gesicht: Das Mondschaf geht zum Hochgericht.

Die Galgenbrüder wehn im Wind. Im fernen Dorfe schreit ein Kind.

Zwei Maulwürf küssen sich zur Stund als Neuvermählte auf den Mund.

Hingegen tief im finstern Wald ein Nachtmahr seine Fäuste ballt:

Dieweil ein später Wanderstrumpf sich nicht verlief in Teich und Sumpf.

Der Rabe Ralf ruft schaurig: “Kra! Das End ist da! Das End ist da!”

Der Zwölf-Elf senkt die linke Hand: Und wieder schläft das ganze Land.

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Illustration zu Der Zwölf-Elf

Interpretation

Das Gedicht "Der Zwölf-Elf" von Christian Morgenstern beschreibt eine mystische Mitternachtsszene, in der die Natur und ihre Bewohner auf eine seltsame und surreale Weise zum Leben erwachen. Der Zwölf-Elf, eine geheimnisvolle Figur, hebt seine linke Hand, was den Beginn der Mitternacht markiert. Die Stille der Nacht wird durch die Reaktionen verschiedener Tiere und Pflanzen durchbrochen, die alle auf die Mitternacht reagieren, als ob sie auf ein Zeichen warten würden. Die Atmosphäre des Gedichts ist von einer Mischung aus Faszination und Unbehagen geprägt. Die Tiere und Pflanzen reagieren auf die Mitternacht mit einer Mischung aus Neugier und Angst. Der Moosfrosch lugt aus seinem Moor, die Schnecke horcht auf in ihrem Haus, und das Irrlicht macht Halt und Rast. Diese Reaktionen vermitteln ein Gefühl der Erwartung und des Unbehagens, als ob etwas Unerwartetes bevorstehen würde. Das Gedicht endet mit der Senkung der linken Hand des Zwölf-Elfs, was das Ende der Mitternacht markiert. Die Natur und ihre Bewohner kehren in ihren gewohnten Zustand zurück, und die Stille der Nacht kehrt zurück. Das Gedicht vermittelt eine surreale und mystische Atmosphäre, die den Leser in eine Welt entführt, in der die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen.

Schlüsselwörter

zwölf elf linke hand land teich mund end

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Stilmittel

Alliteration
Und wieder schläft das ganze Land
Metapher
Der Wanderstrumpf
Personifikation
Der Rabe Ralf ruft schaurig: 'Kra!'