Der Zauberbaum
1790Mir träumt’ ich sey entronnen, Ein Todter, dem Erdenschmerz; Ein Krater, der ausgeglommen, Und Asche sey mein Herz.
Und was ich im Leben empfunden, Es wäre zerflossen wie Rauch, Meine Wonne wäre verschwunden, Und all’ meine Schmerzen auch:
So lag ich in langem Traume, Schlief einen tiefen Schlaf, Unter dem Zauberbaume Als ihn ein Blitzstrahl traf!
Da kehrten die Sinne, es sprangen Die Adern mir wieder frei, Ich fühlt’ es an meinem Bangen, Das Leben erwache neu!
Und wie ich mich wieder erhoben, Mir selber kaum bewußt, Da fühlt’ ich sie alle toben Die Orkane in meiner Brust! –
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Der Zauberbaum" von Joseph Christian von Zedlitz erzählt von einer tiefen seelischen Verwandlung. Der Sprecher träumt zunächst von einem Zustand vollkommener Erlösung von irdischem Schmerz und Leid, vergleichbar mit einem erloschenen Vulkan, dessen Herz nur noch aus Asche besteht. In diesem Traum sind alle Gefühle, sowohl die Freude als auch der Schmerz, vergangen und verraucht, und er liegt unter einem magischen Baum in tiefem Schlaf. Doch dieser Zustand der scheinbaren Ruhe wird durch einen Blitzschlag auf den Zauberbaum jäh unterbrochen. Der Schlag lässt den Sprecher wieder zu sich kommen, die Adern werden frei und das Leben erwacht neu in ihm. Er erhebt sich, kaum bei sich selbst, und fühlt die Orkane in seiner Brust toben – ein Bild für die Wiederkehr intensiver, stürmischer Gefühle und des Lebenswillens. Das Gedicht beschreibt somit eine Rückkehr aus einer Art seelischer Erstarrung in ein lebendiges, wenn auch tumultartiges Dasein.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Blitzstrahl
- Metapher
- Und Asche sey mein Herz
- Personifikation
- Die Orkane in meiner Brust
- Symbolik
- Zauberbaum als Symbol für Erneuerung
- Vergleich
- es wäre zerflossen wie Rauch