Der Wohllaut

Gustav Benjamin Schwab

1882

Wo strömet ihr, in dunkle Nacht begraben, Des heil′gen Wohllauts unversiegte Quellen? Im dichten Hain forsch′ ich nach euren Fällen; Ihr rauschet klangreich durch mein altes Schwaben!

Wie glücklich ist, wem eure süßen Gaben Aus reicher Ader selbst entgegenschwellen, Wem seine Lippen in den blauen Wellen Der lautern Flut sich keusch gebadet haben.

Ihm tönt sein Sang zurück aus tausend Kehlen. Und, wie in eines klaren Wassers Grunde, Bespiegeln sich in seinem Lied die Seelen.

Ja, glücklich ist das fremde Lied zu preisen, Das je, verschönt, entwandelt seinem Munde, In goldnen Klang verkehrt er dumpfe Weisen.

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Illustration zu Der Wohllaut

Interpretation

Das Gedicht "Der Wohllaut" von Gustav Benjamin Schwab ist ein Loblied auf die Schönheit und den Reichtum des Wohllauts. Der Dichter fragt sich, wo die unerschöpflichen Quellen des heiligen Wohllauts in der dunklen Nacht verborgen sind und durchsucht den dichten Hain nach ihren Wasserfällen. Er empfindet eine tiefe Verbundenheit zu seinem Heimatland Schwaben, wo der Klang des Wohllauts ihm besonders nahe scheint. Der zweite Teil des Gedichts beschreibt das Glück derer, denen die süßen Gaben des Wohllauts aus reicher Ader selbst entgegenströmen. Diese glücklichen Menschen haben ihre Lippen in den blauen Wellen der lauteren Flut keusch gebadet und können nun ihren Gesang aus tausend Kehlen zurücktönen hören. In ihrem Lied spiegeln sich die Seelen wie in einem klaren Wassergrund. Im letzten Teil des Gedichts preist der Dichter das Glück, fremde Lieder zu verherrlichen. Er sieht es als eine besondere Gabe an, ein Lied zu verschönern und zu verklären, stumpfe Weisen in goldenen Klang zu verwandeln. Das Gedicht endet mit der Aufforderung, den Wohllaut zu preisen und zu ehren, da er eine Quelle der Freude und Inspiration ist.

Schlüsselwörter

glücklich lied strömet dunkle nacht begraben heil gen

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Stilmittel

Hyperbel
Ihm tönt sein Sang zurück aus tausend Kehlen.
Metapher
In goldnen Klang verkehrt er dumpfe Weisen.
Parallelismus
Wem seine Lippen in den blauen Wellen / Der lautern Flut sich keusch gebadet haben.
Personifikation
Wo strömet ihr, in dunkle Nacht begraben, Des heil′gen Wohllauts unversiegte Quellen?
Symbolik
In goldnen Klang verkehrt er dumpfe Weisen.